Drei zeitgemässe soziale Netzwerke im Blickpunkt: 1. Teil – Snapchat: ein zukünftiges Tool für den Tourismus?

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e-Tourismus und Technologie
Drei zeitgemässe soziale Netzwerke im Blickpunkt:                              1. Teil – Snapchat: ein zukünftiges Tool für den Tourismus?

Snapchat, der bisherige Liebling der Teenager, wird in Zukunft auch das Interesse touristischer Unternehmen finden. Dabei besteht die Herausforderung darin, einer jungen Kundschaft attraktive Inhalte vorzuschlagen, um sie als zukünftige Kunden/Besucher zu gewinnen. Wird Snapchat angesichts immer kreativerer touristischer Unternehmen eine Chat-Plattform unter Teenagern bleiben?

Das Prinzip von Snapchat

Facebook, das grösste soziale Netzwerk, ist kurz vor seinem 10. Geburtstag nicht mehr die Nummer Eins bei den Teenagern, die sich immer häufiger einer anderen Applikation zuwenden: Snapchat. Für die unter 25-Jährigen entwickelt sich das Verschicken von „snaps“ zu einer natürlicheren Dialogform als sich auf Facebook auszutauschen. Ein „snap“ ist eine Kurznachricht in Form von Fotos oder einem Video, möglicherweise mit einer Legende versehen, die man über sein Smartphone mit seinen Kontakten teilt. Die Popularität dieser Anwendung kommt von der ausserordentlich hohen Kurzlebigkeit des Inhalts. Die Nachrichten verschwinden nach ihrer Verteilung und erhalten somit eine spielerische und unkomplizierte Dimension bei ihrer Anwendung. Snapchat wird von den Jugendlichen als exklusiver Privatbereich wahrgenommen, in dem die begrenzte „snap-community“ der „Einmischung“ durch „Brands“, Medien und natürlich auch der Kontrolle durch die Eltern aus dem Weg gehen kann. Letztere beherrschen zum grossen Missfallen ihrer Kinder mittlerweile auch Facebook!

Snapchat verfügt über unterschiedliche Funktionen wie „stories“ und den „geo-lokalisierten“ Filter. Die „stories“ bestehen aus kurzen Videos, die innerhalb von 24 Stunden mehrmals angesehen werden können. Mit dieser Option kann der Benutzer einen Inhalt sichtbar machen, den er länger teilen möchte, um damit seine Präsenz im sozialen Netzwerk zu verbessern. Der „geo-lokalisierte“ Filter ermöglicht es, den Namen einer Stadt oder eines Ortes hinzuzufügen.

Snapchat hat sich seit seiner Gründung bis auf Augenhöhe der grössten sozialen Netzwerke hochgearbeitet und dabei die Zahlen im Vergleich mit den etablierten „Brands“ in schwindelerregende Höhen steigen lassen. Diese wittern nun aber das grosse Geschäft, um ihre Marketing Botschaften zielgerichtet an die Konsumenten von morgen verteilen zu können. 

© Walliser Tourismus Observatorium 

Snapchat: interessant für den Tourismus?

  • Erlaubt eine Verbindung mit einer jungen Kundschaft, die „snacking content“ liebt (sehr kurzer und „verdauter“ Inhalt)
  • Verlangt nur eine begrenzte Aufmerksamkeit
  • Die Augenblicklichkeit einer Mitteilung kann Werbeaktionen stimulieren (Bsp.: Rabatte für touristische Aktivitäten, Herausforderungen, Mitnahmeeffekt usw.)
  • Macht Inhalte lebendig und ermöglicht auf originelle Art und Weise einen Ort oder eine Veranstaltung aufzuwerten
  • Die „geo-lokalisierten“ Filter ermöglichen die Reisen seiner Freunde live mitzuerleben und tragen zur Inspiration für die nächsten touristischen Aufenthalte bei

 

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Auch die Tourismusfachleute werden aufmerksam

Bis auf jene touristischen Organisationen, die bereits eine etablierte Präsenz in den sozialen Netzwerken haben, sind bislang nur wenig touristische Unternehmen auf Snapchat aktiv. Dennoch nehmen die Beispiele in verschiedenen Sektoren zu.

  • Die Destinationen

Der „geo-lokalisierte“ Filter hat schon zur Promotion grosser nordamerikanischer Städte beigetragen. In Kanada war beispielsweise der Slogan „Toronto Life“ sehr erfolgreich.

  • Die touristischen Attraktionen

Walt Disney World präsentiert via „stories“ seine Attraktionen und ermutigt seine Abonnenten, an Wettbewerbsspielen teilzunehmen.

  • Die Reiseagenturen

In Zusammenarbeit mit einem jungen „Youtuber“ ist Topdeck Travel die erste Reiseagentur, die über Snapchat das erste Videoprogramm lanciert hat, das sich dieser Thematik widmet. In Form mehrerer „Snapseries“ schlägt das Programm vor, Europa in sechs Episoden zu durchlaufen.

  • Die Hotellerie

Mariott gehört zu den Pionieren im Tourismus, die Snapchat bereits eingesetzt haben. Die Gruppe hat sich mit der Kreativagentur Naritiv mit dem Ziel zusammengetan, Videos zu produzieren, die exklusiv über Snapchat verbreitet werden. Von 4 einflussreichen Bloggern wurden durch die Benutzer gezielt ausgewählte Städte besucht, die durch Mariott validiert wurden. Die Reisen wurden in der Folge über die Snapchat-Anwendung direkt übertragen.

Die Hotelkette W Hotel, die auch in Verbier ist, hat diese Anwendung auch zu Marketingzwecken eingesetzt, indem sie die geo-lokalisierten Filter benutzte, um die Promotion ihrer Hotelmarke sicherzustellen. Ein Benutzer, der sich in der Nähe eines Hotels dieser Kette aufhielt, hatte die Möglichkeit, Filter in Form von Postkarten hinzuzufügen, die  selbstverständlich mit dem Logo des Hotels ausgestattet sind.

  • Kulturelle Institutionen

Die Museen waren ganz besonders visionär und haben schon früh an das Potenzial von Snapchat geglaubt. Sie haben darin die Möglichkeit gesehen, ein neues Publikum anzuziehen, um diese jungen Generation mit unserem Erbe und dem Kulturangebot auszusöhnen. Das Los Angeles County Museum of Art (LACMA) war das erste Museum, das sich mit dieser Applikation ausrüstete. Andere amerikanische Museen wie das San Francisco Museum of Modern Art, das Museum of Contemporary Art de Chicago oder auch das Georgia Museum of Art setzen Snapchat auch schon moderat ein. Manchmal handelt es sich einfach darum, die Tragweite einer Veranstaltung zu erweitern und eine Betriebsamkeit zu erzeugen, wie es in Frankreich die Champs Libres und das Museum der Bretagne anlässlich der „museum week“ im März 2014 gemacht haben.

  • Die Politik

In ihrer Eigenschaft als erste Botschafterin und Bürgerin von Auckland hat sich Bürgermeisterin Penny Hulse dafür entschieden, im Juni 2015 in ihrer „Snap Story“ eine Botschaft zu publizieren, die sich an die potenziellen Touristen von Neuseeland richtete. Darin lud sie die Besucher dazu ein, auch ihre Stadt zu besuchen. 

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Und in den Bergen?

Die Skistation von Aspen Snowmass in den Vereinigten Staaten ist eines der einzigen Beispiele, bei dem Snapchat bereits eingesetzt wird. Mit dem Ziel sich einer jungen Kundschaft anzunähern, hat Verbier 4 Vallées eine strategische Wahl getroffen und betreibt seit vergangenem Herbst ein Snapchat-Konto. Aufgrund der aktuellen Situation setzen die meisten touristischen Unternehmen der Schweiz noch auf die bislang einflussreicheren sozialen Netzwerke wie Instagram oder Facebook. Alle, vor allem die kleineren Unternehmen, verfügen derzeit noch nicht über die  notwendige Infrastruktur (community manager), um die ganze Palette der sozialen Netzwerke zu bewirtschaften. Mit Blick auf die Vielfalt der angebotenen Plattformen wird inskünftig die wesentliche Herausforderung für Organisationen und touristische Unternehmen darin bestehen, sich in diesem „sozialen Rodeo“ richtig zu positionieren und das Verhältnis von Kosten/Gewinn ihres community management zu optimieren.

Allerdings kann man mit Sicherheit davon ausgehen, dass in den kommenden Jahren Snapchat seinen Platz in den touristischen Marketingstrategien der Schweiz finden wird und zwar auf Augenhöhe mit  Facebook, Twitter oder Instagram.

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Referenz:

Mathieu Gallay, Tourismusstudent HES-SO, « Snapchat : un futur outil pour le tourisme ? »

Aurélie Bertholet, Tamara Cudré-Mauroux, Vanessa Pannatier, Samantha Steinemann, « L’utilisation de Snapchat dans le tourisme », Tourism Intelligence Agency HES-SO Valais Wallis, 9 novembre 2015.

Anne-Sophie Latry, « Avec Snapchat, donnez le smiley à vos touristes », etourisme.info, 25 janvier 2016

Benjamin Adler, « Snapchat un nouveau terreau pour le tourisme? », influencia.net, 30 novembre 2014.

Chantal Neault, « Snapchat et son potentiel pour l’industrie touristique », Réseau de veille en tourisme, 31 août 2015.

Cait Munro, “Museums Have Discovered Snapchat”, Art Net News, 26 août 2014

Club Innovation & Culture France « Snapchat et les lieux culturels », 2 septembre 2014

Dan Peltier, “Travel Brands Are Missing Out on Snapchat Right Now”, Skift, 5 février 2016

Digital Tourism,”Marriott International Acknowledges Snapchat Growth with Pioneering Campaign”. 5 février 2015

Gonzalo, Frédéric. « Snapchat et le potentiel de l’éphémère », etourisme.info, 24 novembre 2013.

Joyce Monalo, “Auckland’s Mayor Uses Snapchat to Entice Visitors to New Zealand”, Skift, 10 juin 2015

 

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