Wohlstand und Geschäft lassen sich organisieren

Synthese vom 9. bis 20. März 2015

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Market Intelligence
Wohlstand und Geschäft lassen sich organisieren

Professionelle Vermieter verdienen eine goldene Nase mit Airbnb

Dank dem Erfolg der Share-Economy und dem Auftreten der Generation Y als Konsumenten am Markt gewinnt Airbnb, die Vermittlungsplattform für die Direktvermietung von privatem Wohnraum, viele Anhänger in der ganzen Welt. April Rinne hat am ITB Future Day daran erinnert, dass Airbnb in nur sechs Jahren das erreicht hat, wofür Hilton 93 Jahre gebraucht hatte. Der grosse Erfolg von Airbnb ist unbestritten. Als eigentliches Phänomen unserer modernen Gesellschaft ist die Plattform aber für Hotelbetreiber ein rotes Tuch: Sie bezichtigen Airbnb des unlauteren Wettbewerbs. Doch der Missbrauch der Plattform treibt viel ärgere Blüten. Auf der Website von Airbnb werden nämlich zahlreiche Objekte von Besitzern mit skrupellosen Geschäftspraktiken angepriesen. Auch bieten gewisse Vermieter an die hundert Wohnungen an und schöpfen so einen substantiellen Teil des über Airbnb generierten Vermietungsumsatzes ab. Die Schweizer Behörden zeigen sich besorgt über die Folgen dieser Entwicklung, die mittelfristig zum Austrocknen des klassischen Vermietungsmarkts und zu einer unerwünschten Preissteigerung führen könnte. Nun will der Bundesrat die Plattform unter die Lupe nehmen.

Das Handy verrät viel – auch wenn es stumm bleibt

Die Bevölkerung wird immer wieder darauf hingewiesen, wie wichtig es ist, sich körperlich fit zu halten. Dazu bewegen sich die Menschen gerne in der freien Natur, was gleichzeitig auch noch der Aufnahme von Vitamin D und der seelischen Ausgeglichenheit zuträglich ist. Dank Verbesserungen bei der Ausrüstung sowie bei den Wettervorhersagen haben zum Beispiel Skitouren viele neue Anhänger gefunden, die jeweils am Wochenende mit Begeisterung die weissen Berghänge hochsteigen. Weitere sportliche Aktivitäten in den Bergen, die auch dem breiten Publikum zugänglich sind, da sie sich auch für weniger sportliche Menschen eignen, tragen dazu bei, dass das Gebirge zunehmend zu einer touristischen Hochburg wird. Die Dichte der touristischen Aktivitäten in der Natur birgt jedoch Probleme. Beispiele für die negativen Auswirkungen sind die Störung der Tier- und Pflanzenwelt sowie der Einfluss auf die Erosionsprozesse und Bodenbewegungen. Um die Umweltbelastung durch Skitourengeher und damit zusammenhängende Interessenkonflikte einzudämmen, braucht es ein effizientes Management der Skitouristenströme. Dazu gehören unter anderem gezielt gesetzte Infrastrukturmassnahmen mit Beschilderungen. In diesem Bereich dürfte Graubünden in nächster Zeit glänzen, denn die Naturpärke dieses Kantons erhalten vom Bund 1,6 Millionen Franken als Unterstützung für die regionale Wirtschaftsförderung. Die vorausschauende Lenkung von Touristenströmen erfordert präzise Real-Time-Informationen zu den Besucherzahlen und zu den Routen, die sie begehen, damit schnell auf die Bedürfnisse vor Ort reagiert werden kann. Es gibt verschiedene Methoden, um diese Informationen zu beschaffen. Viele von ihnen basieren auf dem Einsatz von Mobiltechnologie. Jüngst hat es zum Beispiel ein Team der Modul University Vienna geschafft, die Daten von 4,5 Millionen Fotos, die täglich auf Flickr gepostet werden, so auszuwerten, dass daraus die von Touristen zurückgelegten Wege dank einer Analyse der Geo-Daten ersichtlich werden.

Die Bergbahnen steigen in die Vermögensverwaltung ein

Die Annahme der Weber-Initiative hat indirekt zu einem steigenden Angebot auf dem Zweitwohnungsmarkt geführt und so die Immobilienpreise nach unten gedrückt. Immer mehr Objekte sind auf dem Markt, was durch ein ängstliches Verhalten der Käufer noch verstärkt wird. Da in Bezug auf die Wiederverkäuflichkeit der Wohnungen Unsicherheit besteht, ziehen es viele potenzielle Käufer schliesslich vor, von ihrem Projekt Abstand zu nehmen. Der Rückgang bei den Immobilienpreisen dürfte neue Käufergruppen auf den Plan rufen, wie zum Beispiel obere Mittelstandfamilien mit Kindern. Dank der sinkenden Preise dürften aber die Tourismusorte eine gewisse Neubelebung erfahren. Die neuen Besitzer der Zweitwohnungen sind nämlich tendenziell eher Schweizer als Ausländer. Sie halten sich somit häufiger am Zweitwohnsitz auf – ein Lichtblick für die Bergbahnen. Im Val d'Anniviers zeigen sich die Bahnen von Grimentz-Zinal allerdings vorsichtig, was ihre Aussichten angeht. So haben vorsorglicherweise den Betrieb des Hotels Alpina in Grimentz sowie in diesem Winter erstmals auch denjenigen des Hotels Europe in Zinal übernommen. Auch das Hotel Le Cervin in Saint-Luc hatte mit Schwierigkeiten zu kämpfen. In diesem Fall kam die Rettung von einer Aktiengesellschaft, in der sich rund zwanzig Gemeindebewohner, der frühere Besitzer Etienne Gard und die Bahnbetreiberin von Saint-Luc zusammengeschlossen haben, um das geschichtsträchtige Haus zu neuem Leben zu erwecken.

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