Ein Hoch auf die Ressourcen vor Ort

Synthese vom 23. Februar bis 6. März 2015

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Market Intelligence
Ein Hoch auf die Ressourcen vor Ort

Kultur zu Tisch

Mitten im Dreiländereck Schweiz-Deutschland-Frankreich heisst Basel jedes Jahr im Juni die bedeutendste internationale Kunstmesse willkommen, die „Art Basel“. Rund 300 Galerien aus Europa, USA, Asien, Australien und anderen Teilen der Welt stellen moderne und zeitgenössische Kunst erster Güte vor und unterstützen damit das kulturelle Prestige der Stadt am Rheinknie. Während der ganzen Ausstellungszeit finden in Basel zahlreiche spezielle Aktivitäten statt. Man will die Begegnung zwischen Einwohnern und Besuchern fördern und diesen die Eigenheiten der Stadt näherbringen. Jedes Jahr im Dezember findet die Basler Kunstmesse ihre Fortsetzung auf der anderen Seite des Atlantiks, in Miami. Mit ihren weltbekannten Kunstmuseen, ihrem Nachtleben und ihrer Art-Déco-Architektur bietet dieses Wahrzeichen unter den amerikanischen Städten für die „Art Basel“ eine glückliche Ergänzung. Indem es die „Art Basel“ bei sich willkommen hiess, ist es Miami gelungen, seine Positionierung zu festigen, seinem Image eine dynamischere Note zu verleihen und Touristen auch ausserhalb der Hochsaison etwas zu bieten. 2013 diente die „Art Basel“ in Miami sogar als Aushängeschild für das kulinarische Erbe der Region. Sie ging nämlich eine Partnerschaft mit der Sterneköchin Michelle Bernstein ein. So wurde mitten im Grün der „Miami Beach Botanical Gardens“ eine Woche lang jeden Abend ein Viergang-Menu für 100 Gäste serviert, deren Auftritt bestimmt ebenso raffiniert war wie die Speisen, die sie verzehren durften. Die „Art Basel“ bietet damit ein gutes Beispiel für eine neue Tendenz: Destinationen gehen mit Meistern der Gastronomie Partnerschaften vor Ort ein. Zelebriert werden die kulinarischen Glanzpunkte als eigentliche Events in Pop-Up-Restaurants. Auf diese Weise werden lokale Spezialitäten und Produkte, insbesondere aus Bio-Anbau von einer privilegierten Kundschaft propagiert, die übrigens vermehrt auf eine umweltbewusste Ernährung achtet. Gemäss dem französischen Marktforschungsinstitut CSA haben 2014 rund 62% der Franzosen regelmässig Produkte aus biologischem Anbau konsumiert, und der Bio-Markt ist im Vergleich zu 2013 um 10% auf 5 Milliarden Euro gewachsen. In den Kreisen der Gastronomie und der Hotellerie zeigt man sich allerdings besorgt über die Bio-Nachfrage, denn Bio-Produkte sind weniger gut haltbar als solche aus traditionellem Anbau bzw. aus der konventionellen Nahrungsmittelindustrie. Es stellt sich in diesem Zusammenhang auch folgende Frage: Was unternimmt man gegen die Nahrungsmittelverschwendung? Erst einmal muss man die vergeudeten Mengen messen. Nur so kann man auch den Erfolg eines Massnahmenplans messen, der zum Beispiel die Weiterverwertung von Küchenabfällen vorsieht. Wenn man bedenkt, dass allein in Kanada jährlich 6 Millionen Tonnen Nahrungsmittel verschwendet werden, erscheint die Verarbeitung organischer Abfälle zu Kompost mehr als sinnvoll – nachdem man sich vorrangig darum bemüht, weniger Abfall zu produzieren.

Heimische Ressourcen zur Unterstützung der Berggebiete

Da wegen des starken Schweizer Frankens weniger in die Erneuerung von Hotels investiert wird, erwarten Fachleute eine Beschleunigung des Strukturwandels: Der Geschäftstourismus dürfte weiteren Auftrieb bekommen, der Freizeittourismus in den Bergen, der bereits stark leidet, dürfte noch weitere Einbussen erleiden. Im Jahr 2014 verzeichnete die Region Zürich 130’ 000 zusätzliche Übernachtungen, was im Vergleich zu den Vorjahreszahlen einen Zuwachs von 2,4% bedeutet. Gleichzeitig nahmen in Graubünden die Logiernächte um 2,1% ab. Mit dem Alpentourismus scheint es nur noch bergab zu gehen. Aber der Strukturwandel allein ist noch nicht alles: Auch die Zusammensetzung der touristischen Bevölkerung verändert sich. Schon seit mehreren Jahren beobachtet man vermehrt Gäste, die aus Asien oder dem Nahen Osten kommen. Im Jahr 2014 knackten die chinesischen Touristen zum ersten Mal die magische Zahl von 1 Million Übernachtungen in der Schweiz. Zu hohe Preise fürs Skifahren dürften zwar für Gäste aus diesen fernen Ländern kaum ein Grund sein, auf das Vergnügen im Schnee zu verzichten; sie sind eher grundsätzlich nicht so sehr von einem Aufenthalt in den Bergen angetan. Dass auf den Skipisten in Zermatt und Grindelwald chinesische Skilehrer Gäste betreuen, bezeugt aber ein echtes Entgegenkommen, das diese Kundschaft bestimmt als solches wahrnimmt. Und wie heisst man die Zweitwohnungsbesitzer in den Bergen willkommen? Müsste man sie nicht vermehrt als wichtigen Hebel für die Wirtschaftsentwicklung im alpinen Raum wahrnehmen? Vor allem die Jungrentner unter ihnen sind mehrheitlich gut ausgebildet, verfügen über reiche Berufserfahrung, sind finanziell abgesichert – und suchen nach neuen Betätigungsfeldern. Sollte man ihnen nicht die Integration in der Zweitwohnungsgegend erleichtern und so bewirken, dass sie sich für die wirtschaftliche Entwicklung im Alpenraum einsetzen? Schweiz Tourismus macht es vor und setzt auf den Schweizer Markt – die Organisation hat eine Werbekampagne von CHF 3,9 Millionen dafür ins Auge gefasst. Es scheint wirklich angezeigt, die zur Verfügung stehenden einheimischen Ressourcen anders einzusetzen.

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