Engagement und Nachhaltigkeit sind beim Konsumenten angekommen

Synthese vom 9. bis 20. Februar 2015

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Market Intelligence
Engagement und Nachhaltigkeit sind beim Konsumenten angekommen

Nachhaltige Mobilität – nachhaltiger Tourismus

Der Stadtrat von Paris hat diesen Monat einen Plan gegen die Luftverschmutzung gutgeheissen. Stickstoffdioxide und Feinstaubpartikel in der Luft sollen reduziert werden. Die Massnahmen haben vor allem die umweltschädlichsten Fahrzeuge im Visier (Klasse 1*), die ab 2016 ganz aus dem Strassenverkehr gezogen werden sollen. Zusätzliche Massnahmen, wie der Ausbau von verkehrsberuhigten Zonen und Alternativen zum Privatverkehr, sollen die Einschränkungen im Strassenverkehr begleiten. Bereits in diesem Jahr sollen 5 Millionen EUR als Anreiz für Private und Geschäfte verwendet werden, die einen Elektrowagen oder ein wiederaufladbares Hybrid-Fahrzeug anschaffen. Die Förderung einer nachhaltigeren Mobilität (durch Fahrgemeinschaften, Autoteilen, Fahrradbenutzen, saubere Fahrzeuge…) bildet den Kern dieses Aktionsplans gegen die Luftverschmutzung, der Teil der Stratégie nationale de transition écologique vers un développement durable (SNTEDD) ist, einer frankreichweiten Strategie für eine umweltbewusstere Entwicklung in den Jahren 2015 bis 2020. Als Antwort auf Herausforderungen wie Klimaveränderung und Ressourcenschwund soll die SNTEDD die französische Gesellschaft bis 2020 auf den Weg einer nachhaltigeren Entwicklung führen. So dürfte Frankreich bald einmal Touristen begeistern, die Ressourcen schonen und die Identität einer Destination erhalten möchten. In diesem Bereich sind Hotelprojekte wie das Solar Hôtel im 14. Stadtkreis von Paris sehr willkommen, die somit zahlreicher werden dürften. Um dem Ansatz der französischen Regierung eine kohärente Umsetzung zu sichern, sollen die Investitionen für den „ökologischen Umbau“ so weit als möglich auf partizipativer Basis finanziert werden – ein Beweis dafür, dass das neue Finanzierungsmodell über Crowdfunding-Plattformen volle Anerkennung gefunden hat. Es ist übrigens nicht nur ein Finanzierungsmodell, sondern ein neues Wirtschaftsmodell: Das Teilen oder „Sharen“ von Finanzen, Wohnraum, Fahrzeugen usw. stellt weltweit bereits ein Jahresvolumen von 15 Milliarden USD dar.

 

Der Tourist – ein Informant

Allianz wollte in Erfahrung bringen, welche Themen Reisende und Touristen in den Internet-Foren am meisten beschäftigen und wie sie ihre Prioritäten setzen. Aus den Ergebnissen der Studie geht hervor, dass Touristen aller Nationalitäten sich zuerst nach den Flugverbindungen erkundigen, sich aber auch für die gesetzlichen Bestimmungen im Destinationsland interessieren. Der Tourist ist nicht mehr der naive Besucher, der er einmal war. Er wünscht sich zwar Privatsphäre, aber er bleibt ständig verbunden. Dank der neuen Technologien hat er gelernt, wie er die nötigen Informationen beschaffen und die besten Angebote ausmachen kann. Er weiss, wie man solche leicht aufspürt, und nutzt immer die Gelegenheit, die Meinung anderer Reisender zu den Leistungen einzuholen, die ihn interessieren. Gemäss einer Studie von „Tisch Center for Hospitality and Tourism“ lesen 95% der Kunden die Kommentare von Dritten, bevor sie reservieren.
Vor dem Buchen verbringen die Reisenden durchschnittlich 30 Minuten mit dem Lesen von Kommentaren. Das ist nicht wenig! Immerhin meint die Hälfte der in der Studie befragten Personen, dass eine Zusammenfassung der Kommentare diese Etappe der Entscheidungsfindung kundenfreundlicher machen würde, zumal sie immer häufiger über das Smartphone buchen. Diesen Wunsch sollte man nicht einfach überhören – und bedenken, dass Google aus der Mobile-Freundlichkeit einer Internet-Seite neuerdings ein Ranking-Kriterium macht. Online-Kommentare und Evaluierungswebsites sind inzwischen so wichtig, dass die Frage berechtigt scheint, ob die Hotels nicht auf ihre Fragebogen zur Kundenzufriedenheit verzichten könnten. Gemäss Tim Towle von ReviewPro sind diese überflüssig. Der Vorteil einer Umfrage ist allerdings, dass sie beim Kunden einen strukturierten Überlegungsprozess bewirkt, und zwar zu Fragen, die dem Hotelier ein Anliegen sind. Der Hotelier kann damit präzise Informationen einholen, was mit den Kommentaren, die spontan abgegeben werden, nicht erreicht wird – genauso wenig wie über Social-Media-Mitteilungen.

Online-Reservationen on top

MeteoSchweiz vermeldete unlängst, dass in mehreren Skigebieten im Januar 2015 die normale Niederschlagsmenge überschritten worden sei. Kurz: Es liegt viel Schnee in den Bergen. Allerdings darf das nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Klimaerwärmung voll im Gang ist. Die Tage mit Neuschnee dürften immer weniger zahlreich sein. Mit dieser Entwicklung geht logischerweise ein Rückgang der benötigten Menge Streusalz einher, wenn man mit dem vorigen Jahrhundert vergleicht. Keine Angst vor dem Sommer – und einer Verlängerung der Sommersaison – hat der Verein „Association des gardiens des gîtes et refuges du Tour du Mont Blanc“ (Hüttenwarte an der Bergwanderstrecke rund um den Mont-Blanc). Ganz im Gegenteil: Die Vereinsmitglieder haben sich sehr über den Umsatz von über einer Million EUR gefreut, der im Sommer 2014 dank des neuen Online-Buchungssystems realisiert werden konnte. Das System wurde speziell für die 200 km lange Tour entwickelt.

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