Luxuscamping: Zurück zur Natur, aber bitte komfortabel

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Beherbergung
Luxuscamping: Zurück zur Natur, aber bitte komfortabel

Gemäss dem Bundesamt für Statistik boten im Jahr 2012 im Kanton Wallis 65 Einrichtungen insgesamt 8016 Plätze zum Campen an. Unsere Region war somit auf der Angebotsseite führend in der Schweiz. Was die Nachfrage betrifft, lag hingegen das Tessin an der Spitze:  Für das Jahr 2012 wies es insgesamt 773 609 Übernachtungen auf Campingplätzen aus (26,1 % des schweizerischen Totals), gegenüber 411 358 im Wallis (13,9 %). Unter den 12 Tourismus-Regionen der Schweiz belegte das Wallis somit den 2. Rang (1).

Gemäss Elisabeth Ottiger (2), Produktmanagerin beim Touring Club Schweiz (TCS), der  – neben seiner Ausrichtung auf verschiedene Arten der Mobilität – unter dem Label «TCS Camping» auch 28 Campingplätze zusammenfasst, werden diese vorwiegend von Familien genutzt. Doch seit längerer Zeit geht die Tendenz nicht mehr hin zum Erwerb von eigener Ausrüstung, sondern die Gäste erwarten bereits voll ausgerüstete Campingplätze. Die Ferien auf einem Campingplatz zu verbringen, mag einen finanziellen Grund haben, doch ist das bei Weitem nicht die einzige Motivation: Mindestens gleich wichtig sind soziale Aspekte, wie sich gemeinsam mit Freunden in der freien Natur aufzuhalten. Und immer mehr Campierende wünschen, Luxus und Komfort mit nachhaltigem Naturerlebnis zu verbinden.

Im Folgenden bieten wir Ihnen eine kleine Erkundung dieser neuen Trends im benachbarten Frankreich, in Québec und in der Schweiz. Und wir stellen Ihnen das Campingkonzept «Huttopia» vor, hinter dem ein französisches Unternehmen steht, das die Verbindung von «Zurück zur Natur» mit Komfort und Umweltverträglichkeit höchst erfolgreich zelebriert.

«Glamping» in Kanada und in Québec

Das Luxuscamping surft auf der Welle des «Retour à la nature», wobei es gleichzeitig die Verbindung zur Hotellerie sucht. In Kanada spricht man denn auch von «Glamping», ein Zusammenzug aus «glamouröses Camping», um das Phänomen des neuen Luxuscampings zu umschreiben (3, 4). Diese Form der Übernachtung bietet Kontakt mit der Natur und Respekt gegenüber der Umwelt, aber auch Komfort, wobei Wellness-Angebote (Spas etc.) oder Ausflugspakete dazugehören können.

In Québec geben 19 % der Camper aus der Region an, diese Erfahrung schon einmal gemacht zu haben (1). Das Netzwerk «Parcs Canada» hat bereits 2008 das Konzept des «Prêt à camper» eingeführt, und zwar mit dem Spezialzelt «Huttopia», das den Namen seines französischen Herstellers trägt. Der Erfolg liess nicht lange auf sich warten! Nach ursprünglich 60 Zelteinheiten ist deren Bestand bis zum Sommer 2013 auf 249 angewachsen (4). Diese Unterkünfte verfügen über eine Heizung, Betten und eine voll ausgestattete Küche. Gerade die Heizung spricht eine Klientel an, die sich die Farbenpracht des kanadischen Herbsts, des «été indien», nicht entgehen lassen will. Einige Zelte sind auch speziell vorgesehen für Menschen mit eingeschränkter Mobilität. Aufgrund des durchschlagenden Erfolgs und der anhaltenden Nachfrage hat «Parcs Canada» bereits beschlossen, weitere hundert Einheiten für die Besucher zu installieren.

Huttopia 639X211

Fotos: Das von der Firma Huttopia in Frankreich hergestellte Zelt wurde speziell für die natürlichen Gegebenheiten und die klimatischen Bedingungen in Québec angepasst. So wurden eine feste Tür, Moskitonetze und ein Heizsystem hinzugefügt. Das Zeltkonzept widerspiegelt das Bedürfnis, zum Grundsätzlichen zurückzufinden. Das gute alte Nylonzelt wird jedoch ans neue Zeitalter angepasst, immer im Hinblick auf maximalen Komfort.

Quelle: www.sepaq.com/hebergement/camping_huttopia/

Frankreich: Die Unterbringung in der freien Natur in immer neuen Varianten

Wenn die Tourismusindustrie in Frankreich von Camping spricht, meint sie sämtliche Formen der Unterbringung in der freien Natur, also nicht bloss das herkömmliche Nylonzelt oder den Camper. Das «Glamping» ist hier in vollem Schwung und die entsprechenden Anlagen sind kaum mehr zu zählen: Baumhütten, Wasserbungalows, «Hobbit»- oder «Pilz»-Häuser, Jurten, Tipis … Es lohnt sich, das «Annuaire des campings 4 et 5 étoiles et des hébergements insolites»  unter der Adresse www.lescampingsdeluxe.fr/zu konsultieren, um einen Überblick über die unermessliche Vielfalt des Angebots zu gewinnen: eine Aufzählung ganz im Stil von Prévert! Hier ein Beispiel: schwimmende Hütten in der Franche-Comté.

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Foto: Freiluftunterkunft in der Franche-Comté

Quelle: www.cabanesdesgrandslacs.com/

Unsere ganz besondere Empfehlung? Der Campingplatz «Domaine de la Dombes», in freier Natur zwischen Genf und Lyon. Hier weiss man seine Standortvorteile auszuspielen: eine Anlage inmitten einer europäischen Vogelschutzzone, in einer einmaligen Teichlandschaft, geprägt von einer überwältigenden Biodiversität (5). Der Platz bietet klassische Freiluftunterkünfte, aber auch Baumhütten, sogenannte «Schwimmzelte» sowie «Liebesnester» – die moderne Variante für die Nacht unter dem Sternenhimmel. Auf diese Weise verbringen die Besucher ihren Aufenthalt unmittelbar am Ufer eines Teichs, an einem idealen Platz für Vogelbeobachtungen und dabei umgeben von einem Komfort, von dem Campingplatzbesucher normalerweise nur träumen können. Das Frühstück wird zu sehr früher Stunde serviert, was es dem Naturliebhaber ermöglicht, das Erwachen der Natur unmittelbar von seiner gemütlichen Unterkunft aus zu erleben, während er gleichzeitig seine Croissants au beurre geniesst.

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Fotos: «Schwimmzelt» (Flo’tente) und «Liebesnest» (Lov’nid, die moderne Variante für die Nacht unter freiem Sternenhimmel …)

Quelle: http://domainedeladombes.com/lodge/

Schweiz und Wallis

Auch in der Schweiz macht sich TCS Camping, die grösste Camping-Vereinigung in der Schweiz, auf den Weg und hat bereits die sogenannten «Pods» (6) eingeführt, eine Art Hütten mit ökologisch verträglicher Struktur, angelegt in der freien Natur. Diese Bungalows bestehen ausschliesslich aus nachhaltigem Bau- und Isolationsmaterial. Es handelt sich um ein Unterkunftskonzept, das aus Norwegen stammt und sich seit mehreren Jahren grosser Beliebtheit erfreut, vor allem im angrenzenden Frankreich und in Grossbritannien, wie Elisabeth Ottiger vom TCS bestätigt (2).

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Foto: In der freien Natur aufgebaut, sind die «Pods» aus Massivholz hergestellt und werden mit Schafwolle isoliert.

Quelle: www.tcs.ch/fr/voyages-camping/camping/locatifs/tcs-pods.php

 

Die Woge des «Glamour-Campings» hat auch das Wallis erreicht. Eine ausserordentliche Initiative ist kürzlich im Unterwallis, in Les Giettes, gestartet worden. In 15 Iglu-Zelten von je 40 qm Grundriss wird dort im Winter und im Sommer eine «ökotouristische Luxusunterkunft» angeboten. Zahlreiche Freizeitaktivitäten sind möglich: Skifahren, Schlittenhundetouren, Gleitschirmfliegen usw.

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Fotos: «Whitepod» in Les Giettes, Unterwallis. Innen- und Aussenansichten (über dem Nebelmeer).

Quelle: www.whitepod.com/summer/

Das «Huttopia»-Konzept in Frankreich: Innovation im Dienste des Marketing

Huttopia plant und realisiert Campingplätze in der Absicht, die Auswirkungen auf die Umwelt möglichst gering zu halten und sich für einen verantwortungsvollen Tourismus einzusetzen. Dabei möchte man einen hohen Bekanntheitsgrad erreichen – ohne Labelbindung (7). Wie wir das oben bereits erwähnt haben, verzeichnet das Huttopia-Konzept im Bereich der «Parcs Canada» grossen Zulauf. In einem Interview, das im Dezember 2011 veröffentlicht wurde (7), erklärt Fanny Kaufman, Studienverantwortliche bei Huttopia, den Marketingansatz des Unternehmens: Man verzichte freiwillig auf eine Label-Anbindung, da diese oft entweder auf ein grünes Image bei der Entwicklung oder auf ein technisches Image in Form von speziellen Ausrüstungsoptionen ausgerichtet sei. Nach eingehender Prüfung der Labels sei man bei Huttopia zum Schluss gekommen, dass das Unternehmen oft sehr viel weiter gehe, weshalb man sich entschieden habe, andere Mittel als Labelbindung einzusetzen, um die eigene Philosophie zu vermitteln und den Bekanntheitsgrad zu steigern. Interessanterweise beträgt das Werbebudget bei Huttopia ganz einfach null. Das Unternehmen verlässt sich auf Mundpropaganda und auf die grossen Kommunikationsorgane (Medien und Internet), welche die innovativen neuen Unterkunftstypen bekannt machen sollen. Es reicht somit, den «Hype» zu bedienen. Huttopia setzt auch ein Reservierungssystem im Internet ein. Im Jahr 2011 wurden 95% der Reservationen direkt abgewickelt, in erster Linie über das Internet, aber auch über eine eigeneReservationszentrale.

Fazit

Es gibt einen Markt für neue Unterkunftstypen, die Erfahrungen in der freien Natur bieten. Das «Glamping» spricht eine Klientel an, die nicht das traditionelle Camping als Unterkunftsform wählen würde. Unser Überblick zeigt auch, dass die Freizeitangebote in der Nähe des Campingplatzes reichhaltig und attraktiv sein müssen. Wir sprechen hier nicht von Animationsprogrammen, sondern von Angeboten im Bereich von Kultur, Sport und Erholung im näheren Umkreis. Ebenso gilt es, diese Angebote überzeugend und positiv zu kommunizieren. Immer häufiger sind sie Teil der Leistungen, die ein «Campingplatz» direkt erbringt, indem er, zusätzlich zu den üblichen Informationen, auch entsprechende Pauschalen anbietet. In einigen Regionen wurden bereits erfolgreich «Alles inbegriffen»-Abonnemente eingeführt, die pauschalen Zugang zu öffentlichen Verkehrsmitteln, Museen, Bergbahnen und Schwimmbädern ermöglichen. Das erleichtert den Besuchern ihren Aufenthalt und erhöht die Kundenzufriedenheit.

Quellen

(1) Bundesamts für Statistik (2013). Infrastruktur und Nutzung – Indikatoren. Campingplätze. Angebot und Logiernächte für das Jahr 2012. www.bfs.admin.ch/bfs/portal/fr/index/themen/10/03/blank/key/03/03.htmlZugriff: 17. Juni 2013.

(2) Persönliche Äusserung, Mai 2012.

(3) Barry, Claudine (6. Juni 2012). http://veilletourisme.ca/2012/06/06/du-camping-au-glamping-lhebergement-de-plein-air-se-diversifie/ Zugriff: 13. Juni 2012.

(4) Leclerc, Vincent (24. Mai 2013). Le glamping: une tendance qui gagne à être durable. Réseau de veille en tourisme, Montréal. http://veilletourisme.ca/2013/05/24/le-glamping-une-tendance-qui-gagne-a-etre-durable/ Zugriff: 17. Juni 2013.

(5) Camping Domaine de Dombes. http://domainedeladombes.com/ Zugriff: 17. Juni 2013.

(6) Touring Club Schweiz (16. August 2012). www.tcs.ch/fr/le-club/medias/presse/communiques-de-presse/2012/pods-camping.php Zugriff: 13. Juni 2013.

(7) Castres, Geneviève (1. Dezember 2011). Les campings Huttopia: responsables mais pas labélisés! www.voyageons-autrement.com/huttopia-campings.html Zugriff: 13. Juni 2013.

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