Internetzugang: wichtig für das Geschäft

Synthese vom 03. November bis zum 14. November 2014

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Market Intelligence
Internetzugang: wichtig für das Geschäft

Mit Anschluss auf Reisen

Das Tourismusbüro von Saint-Etienne (F) wurde grundlegend neu konzipiert. Besuchern von auswärts wird hier ein Ort geboten, an dem sich Auskunft und Rat eng mit Design verbinden. Am Empfang spielt sich alles um eine riesige interaktive Karte der Umgebung ab. Erst im angrenzenden Dokumentationsraum findet sich dann die ganze Fülle an Prospekten und Broschüren auf Papier, die man von herkömmlichen Tourismusbüros kennt. Ungewöhnlich sind aber auch hier der angebotene Kaffee und die Möglichkeit, nach Lust und Laune zu blättern, bequem und entspannt, als sei es im eigenen Wohnzimmer. In Lyon, der Hauptstadt der französischen Region Rhône-Alpes, setzt „Onlylyon Tourisme“ ebenfalls auf fortschrittliche Ideen: Seit kurzem wird dem Besucher hier das „Pocket Wifi“ angeboten, ein WLAN-Zugang für 8 EUR am Tag. Mit dieser Dienstleistung erspart Onlylyon auswärtigen Besuchern das umständliche Einloggen auf das Netz von allerlei Gastrobetrieben – eine schlimme Erfahrung, die viele von uns leider auch schon machen mussten. Die Verbindungsqualität einer Gegend ist ein entscheidender Faktor für den touristischen Erfolg. Axelle Lemaire, französischer Staatssekretär für Digitales, stellte kürzlich in einem an die französischen Staatsbahnen gerichteten Tweet sogar die Frage: „Wann schafft es die WLAN-Verbindung endlich in die französischen Züge?“ Tatsächlich geht der Kunde zunehmend von der Gewährleistung einer Internetverbindung aus. Deshalb steht dieser Punkt auch bei der Hotelgruppe Accor im Zentrum der Bemühungen. Mit seinem Programm „Leading Digital Hospitality“ konzentriert sich der Konzern darauf, Gäste während des ganzen Kundenprozesses digital zu begleiten und Privaten wie Unternehmen mit einer Vereinfachung der Online-Reservation entgegenzukommen.

Schluss mit Winter

Gemäss einer neuen Word-Travel-Monitor®-Studie von „IPK International“ sind klassische Winterferien in den Alpen nicht mehr sonderlich beliebt bei den europäischen Touristen. Diese ziehen es vor, der Kälte zu entfliehen, und wählen lieber Feriendestinationen in wärmeren Gefilden. Über die letzten sieben Jahre ist der Prozentsatz von europäischen Wintertouristen im Ausland von 30 auf 40% gestiegen. Die Entwicklung war besonders ausgeprägt in Grossbritannien und Deutschland. In der Schweiz lag die Zahl der Skifahrertage in 25 Jahren nie so tief wie im vergangenen Winter. Trotz allem gelang es Zermatt, sich an die Spitze der „Best Ski Resorts“ zu hieven, und die Jungfraubahn plant sogar eine Investition von 400 Millionen CHF. Da nämlich die Ausflügler immer mobiler und die Wettervorhersagen immer zuverlässiger werden, erleben die Seilbahnen nie dagewesene Nachfragespitzen. Aus diesem Grund rüsten einige Wintersportorte auf, um ihre Kapazität zu erhöhen, auch wenn die Nachfrage insgesamt rückläufig ist. Im französischen Departement Hautes-Alpes zeigt man sich besorgt über die zunehmend ablehnende Haltung den Bergen gegenüber. Der Präsident des dortigen Hotelierverbands (Umih) wies Anfang Monat auf den wichtigen Punkt der 60% an kalten Betten im Departement hin. Wie aber kann man Umsatzeinbussen im Zusammenhang mit immer weniger zahlreichen Wintertouristen im Alpenraum ausgleichen? Die Preise der Bergbahnen und Skilifte zu erhöhen, ist bestimmt nicht die richtige Lösung. Besser ist es, die warmen Betten von Touristenunterkünften, die definitiv schliessen, zu übernehmen – und dann gut darauf zu achten, dass sie erhalten bleiben, indem eigens für ihren Betrieb öffentlich-private Partnerschaften eingegangen werden. Dieser Meinung ist auch Simon Crettaz, Präsident des Verwaltungsrats der Grimentz-Zinal Bergbahnen AG, den wir zum Thema dauerhafte Übernahme des Hotels „Europe“ in Zinal durch die Bergbahnen befragt haben. Parallel zum schwindenden Interesse für Wintersportferien haben z. B. Crans-Montana und das Val d’Anniviers auch mit dem Rückgang der ständigen Wohnbevölkerung zu kämpfen. Die eher düsteren Zukunftsaussichten für unsere Bergregionen scheinen jedoch den guten Willen anderer zu beflügeln, die versuchen sich selbst zu überbieten. So ging die Auszeichnung „FLUX – Goldener Verkehrsknoten“ nach Graubünden. Der Preis dürfte die Entwicklung des Bündner Rufs als Wanderparadies weiter fördern, eine Ambition, die vom Kanton mit dem Projekt „Graubünden HIKE“ unterstützt wird. Für die Jahre 2015-2018 sind dafür 3,2 Millionen CHF vorgesehen, welche nicht nur die Übernachtungszahlen boosten, sondern auch die Ausnutzung der Bergbahnen verbessern sollten.

Zugang für alle

Im Zug der demografischen Entwicklung – und auch weil die Nachfrage im Bereich von Outdoor-Aktivitäten seitens von Personen mit körperlichen Einschränkungen steigt – verstärkt sich die Entwicklung des Freizeitangebots in der freien Natur für Personen mit körperlicher Behinderung. In Frankreich gibt es bereits 5300 Einrichtungen mit dem Label „Tourisme et Handicap“ sowie sechs Gegenden mit dem Label „Destination pour tous“, das erst 2013 geschaffen wurde und Gegenden bezeichnet, deren touristisches Angebot wenigstens zwei der vier klassischen Behinderungsformen berücksichtigt: die geistige, die motorische oder die Hör- bzw. Sehbehinderung. Anlässlich des ersten von „Destination pour tous“ organisierten Welttreffens stand das Thema „Zugang zur Kultur“ im Mittelpunkt. Es ging somit auch um die Anstrengungen, die diesbezüglich von Museen und ähnlichen Einrichtungen unternommen werden müssen. Der Access City Award 2015 schliesslich zeichnet Städte und Gemeinden aus, die den Zugang zu öffentlichen Einrichtungen für Menschen mit Behinderung verbessern.

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