Eine spirituelle Reise im digitalen Zeitalter

Synthese vom 1. bis zum 14. Juni 2014

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Market Intelligence
Eine spirituelle Reise im digitalen Zeitalter

Unsere Gefühle im 3D-Format

Warum entscheidet sich ein Konsument genau für dieses Produkt und nicht für ein anderes? Wie kann eine Werbung seine Kauflust wecken? Um das herauszufinden und sich weiterzuentwickeln, setzen verschiedene Marken auf die wissenschaftliche Forschung, welche sich mit dem Gehirn beschäftigt. Mit Hilfe der funktionellen Magnetresonanztomografie konnte herausgefunden werden, dass die Werbung das Herz anspricht (genauer gesagt den Schläfenlappen des Gehirns), nicht aber die Gehirnzonen, welche zum Nachdenken gebraucht werden. Eine der praktischen

Auswirkungen dieser Forschungsresultate betrifft das Marketing, welches sich von nun an zum Ziel gesetzt hat, Emotionen einzusetzen, um den Kunden dazu zu bringen, eine bestimmte Marke oder ein bestimmtes Produkt zu kaufen, ja sogar um die Treue der Kunden zu gewinnen. Die Fluggesellschaft Virgin America bedient sich solcher Emotionen, um ihre online Buchungsseite neu zu gestalten und lässt sich dabei von Videospielen inspirieren. Virgin America hat ausserdem das erste soziale Netzwerk, welches dem Austausch über den Wolken dient, lanciert. So können sich die Passagiere desselben Flugs leichter kennen lernen. Eine gute Idee, welche in unserer spielbegeisterten Gesellschaft ein wahrer Erfolg werden könnte.

Die neuen Technologien bieten aber auch neue Möglichkeiten für die Inwertsetzung eines Naturerbes. So präsentiert der Zoo von Bordeaux-Pessac dank der besten Experten in den Bereichen erweiterte Realität, Animation und künstliche Intelligenz in Frankreich drei Dinosaurier mit den Namen Betty, Gala und Alpha, was weltweit einmalig ist. Lassen Sie sich aber durch diese harmlos klingenden Namen nicht täuschen, denn die drei Dinosaurier, welche direkt aus der Unteren Kreidezeit zu uns gekommen sind, sind mehr als 4 Meter lang und fast 2 Meter gross. Dabei handelt es sich um die Gattung Utahraptors. Ohne ein Geopark zu sein, ermöglicht der Zoo von Bordeaux seinen Besuchern das Leben dieser Dinosaurier wie es sich vor ca. 125 Millionen Jahren in Nordamerika abspielte, kennen zu lernen. Auch im Bereich des kulturellen Erbes nimmt das Digitale einen immer wichtigeren Platz ein, so z.B. in den Museen und insbesondere am Google-Kulturinstitut in Paris. Dazu gehören digitale Kunstwerke, 3D-Modelle von Monumenten und virtuelle Ausstellungen von Archiven.

Die Spiritualität gewinnt neue Anhänger

Während der Besucher dank der digitalen Techniken intensivere Erlebnisse macht, bleibt die Suche nach sinnstiftender Authentizität immer noch die Hauptmotivation, um sich auf Reisen zu begeben. Sich neue Kenntnisse anzueignen und seine Sinne anzuregen; neue Wege zu finden, um gemeinsam mit den Reisebekanntschaften etwas Unvergessliches zu erleben, das gefällt den Leuten. Deshalb erfährt der Erlebnistourismus – und diesbezüglich liegt Europa als Destination ganz vorne – aber auch der spirituelle Tourismus einen Aufschwung. Laut dem Präsidenten des Vereins „Villes-sanctuaires en France“ begeben sich jährlich rund 15 Millionen Besucher in einer der 15 Stadt-Heiligtümer des Landes, Tendenz steigend. Im Wallis, in St-Maurice, dessen Abtei 2015 ihr 1500-jähriges Bestehen feiern wird, laufen die Vorbereitungen für die zahlreichen Ausflügler, welche erwartet werden, auf Hochtouren. Wie reagieren nun die Hoteliers auf diese Suche nach dem Wahren, dem Ursprünglichen? Eher ungeschickt, könnte man sagen. Welche Lehre könnten sie nun von einem Anbieter wie Airbnb ziehen? Eine Idee wäre es, das Quartier, in welchem sich das Hotel befindet, aufleben zu lassen, indem Künstler, welche dort leben bzw. arbeiten, eingeladen werden und sich und ihre Arbeit im Hotel vorstellen, den Gästen anzugeben, welche ihrer Facebook-Freunde im gleichen Hotel übernachtet haben, flexible Check-in Zeiten anzubieten usw. Anders gesagt, die Beherbergungsindustrie sollte auf jeden Fall grosses Interesse daran haben, sich anzupassen, um auf die Bedürfnisse dieser Kundschaft einzugehen, welche so viel wie möglich von der Kultur des bereisten Landes mitkriegen möchte, ohne jedoch dabei allzu viel Geld auszugeben. In diesem Sinne wäre es nicht sinnvoll, alle Investitionen in den digitalen Bereich zu stecken, denn die Kunden suchen mindestens genauso oft auch nach Emotionen und Erlebnissen, welche während ihres Aufenthalts immer wieder auftreten sollten. Aber insbesondere die kleinen unabhängigen Hotels müssen sich zusammenraufen und eine klare Positionierung einnehmen. Übrigens ist es sicher seiner Positionierung zu verdanken, dass das Cevo Mountain Boutique Resort in Zermatt von der SonntagsZeitung den Titel des besten Hotels des Jahres erhielt. Freuen kann sich aber auch die Gesamtheit der Schweizer Hotels, da die Anzahl Logiernächte im April dieses Jahres im Vergleich zum April 2013 um 3,3% gestiegen ist und im Wallis sogar um 22,9%.

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