Die richtigen Signale senden

Synthese vom 1. bis zum 17. Juni 2015

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Market Intelligence
Die richtigen Signale senden

Aufpreis für Nachhaltigkeit: Ja bitte oder Nein danke?

Laut dem österreichischen Professor Gerhard Schulze suchen Touristen wieder mehr Authentizität. Die Grundsätze der Nachhaltigkeit bedeuten ihnen etwas, sie möchten regionale Besonderheiten erkunden und auch die kulinarischen Seiten ihrer Destination kennen lernen, wie aus den beiden Studien „Kostbares Österreich“ und „The Rise of local in Hospitality“ hervorgeht. Auch Yann Stucki, der für die Promotion des Weintourismus im Waadtland zuständig ist, kennt diesen Kundenwunsch. Touristen geben heute gerne an, sie seien bereit, zugunsten der Umwelt und der Sozialverträglichkeit etwas tiefer in die Tasche zu greifen. Aber tun sie das auch wirklich? Handelt es sich um eine blosse Absichtserklärung oder um ein eigentliches Engagement? Rachel Dodds, Professorin an der Ryerson University (Kanada), bestätigt auf der Grundlage einer von Kollegen durchgeführten Studie, dass 37% der Reisenden tatsächlich mehr ausgeben, um „saubere“ Ferien zu machen. Dem Willen folgt also die Tat. Nur bleibt der Anteil derjenigen, die schliesslich einen Beitrag von mindestens 10% des normalen Preises an die Nachhaltigkeit geleistet haben, mit nur 6% der Umfrageteilnehmer relativ gering. Die kanadische Forscherin zieht den Schluss, dass die Akteure im Tourismus darauf achten müssen, dass die Preise der nachhaltigen Angebote und diejenigen der klassischen Produkte nicht allzu sehr auseinander klaffen. Sonst machen die Kunden bei der Nachhaltigkeit nicht mehr mit. Der Tourismus ist darauf angewiesen, die Attraktivität zu erhalten und die Region zu schonen, auf der er aufbaut. So oder so darf er nicht zu gierig werden...

Storytelling, Microsite und Interaktion im Dienst einer effizienten Markenpflege

Rachel Dodds aus Kanada vertritt übrigens auch die Meinung, dass die Akteure im Tourismus die Kommunikation für die nachhaltigen Angebote verbessern sollten. Dazu gibt es mehrere Ansätze, worunter zum Beispiel das Festival. Ein Festival zieht grundsätzlich grosse Aufmerksamkeit auf sich und bietet hervorragende Kommunikationsmöglichkeiten sowohl für die Imagepflege eines ganzen Sektors als auch, um potenzielle Kunden zu umwerben. Vorträge, Podiumsgespräche und Dokumentarfilmprojektionen im angesagten Stil des Storytellings, wie sie beim Festival „We love green“ auf dem Programm stehen, sind richtungweisend auch für den Eventsektor. Das genannte fachgebietübergreifende Festival dauert zwei Tage und findet jährlich Ende Mai/Anfang Juni im Parc de Bagatelle in Paris statt, dieses Jahr im Rahmen der Europäischen Nachhaltigkeitswoche (ESDW). Storytelling ist eine Kommunikationsmethode, die marketingtechnisch grossen Erfolg hat, denn sie stärkt die Beziehung zwischen den Anbietern und der Kundschaft. Wie beim oben genannten Pariser Festival stützt sich Storytelling stark auf Videotechnik ab. Videofilme wirken stimulierend auf das Kundenverhalten (analog zu guten Bildern). Gemäss „Germany Travel“ besuchen 65% der Internetnutzer, welche eines ihrer Videos gesehen haben, danach die Website der Organisation. Ebenso sind 64% der Nutzer geneigt, etwas zu kaufen, wenn sie ein Video dazu gesehen haben. Schliesslich fühlen sich über die Hälfte (52%) der Personen, die sich ein Video angeschaut haben, in ihrer Kaufentscheidung bestätigt. Warum ist das so? Wenn Sie das interessiert, schauen Sie doch einfach das folgende Erfolgsvideo an, das nach kaum fünf Monaten bereits 1,4 Millionen Mal betrachtet wurde: „Find Inspiration. A journey through Austria“. Die beim Storytelling angebotenen Inhalte – als Video oder in anderer Form – stammen teilweise von Bloggern. Diese erweisen sich als unheimlich effizient, wenn es darum geht, ihren Eindruck einer Destination mit ihrer Community zu teilen. Ende Mai 2015 waren 16 internationale Tourismus-Blogger zu einem viertägigen Aufenthalt in Österreich eingeladen. Sie veröffentlichten fünfzig Blogposts, hinterliessen an die 50 Millionen Eindrücke auf Twitter, Facebook und Instagram und teilten 350 Fotos mit rund 500 000 Followers. In Österreich ist für den Winter 2015 eine weitere Aktion des gleichen Typs vorgesehen und man geht davon aus, dass dadurch der Rekord bei den Besucher- und Übernachtungszahlen vom Winter 2014/2015 sogar noch getoppt werden kann. Zwischen November 2014 und April 2015 nahmen die Ankünfte um 3,5% zu (auf insgesamt 17,5 Millionen Menschen); bei den Übernachtungszahlen betrug die Zunahme 2,1%, womit sie 65,8 Millionen erreichten. Franz Hartl, Direktor der Österreichischen Hotel- und Tourismusbank Ges.m.b.H. (ÖHT), warnt jedoch vor zu grossen Erwartungen und weist darauf hin, dass die Bilanzen der Unternehmen eher enttäuschend seien.

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