Leben und Tod eines Symbols

Synthese vom 1. bis zum 14. September 2015

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Market Intelligence
Leben und Tod eines Symbols

„Alter-Konsum“ im Tourismus angekommen

Hormonfleisch und genetisch veränderter Mais haben einen schlechten Ruf. Generell sind Konsumenten gegenüber im Labor konzipierten Nahrungsmitteln misstrauisch; sie hätten am liebsten traditionelle und saisonale Produkte vom Bauernhof. Obschon dieses Angebot wächst, ist es noch verzettelt, denn es ist schwierig, das globalisierte, industrialisierte System der modernen Nahrungsmittelproduktion aufzubrechen. In Österreich sind das Lesachtal und das Gailtal in der glücklichen Lage, auf ihrem Gebiet noch viele kleine landwirtschaftliche Betriebe zu zählen, welche die Restaurants und Hotels der Region mit lokalen Produkten von hervorragender Qualität beliefern können. Um die Aufmerksamkeit auf das kulinarische Erbe und die ursprünglichen Produktionsmethoden der Region zu lenken, wurde das Pilotprojekt Slow Food Reisedestination lanciert: Landwirtschaft, Gastronomie und Hotellerie der beiden Täler haben sich zusammengeschlossen und bieten Gästen, die sich für die Entdeckung einer Welt voller Geschmack und handwerklichem Fachverständnis Zeit nehmen wollen, nur das Beste. Da gilt es zunächst einmal, Bekanntschaft zu machen: Dem Gaumen der Gäste sind die Aromen von regionalen Gerichten, wie Käsnudeln, Schupfnudeln, Walleritschert, Reindling und wie sie alle heissen, oft nicht vertraut. Aber das Projekt führt noch weiter: Der Tourist soll selbst zum Produzenten werden und persönlich Hand anlegen. Wie in Radenthein, wo er in der Backstube von Frau Makula mitwirkt: Den Teig von Hand kneten, schauen, dass er aufgeht - d.h. ja den richtigen Gärpunkt für den Sauerteig abwarten - das Brot formen - das alles braucht Geduld. Erst jetzt weiss man die Arbeit des traditionellen Bäckers auch wirklich zu schätzen! Dank diesem Ausflug in die Vergangenheit versteht man dann auch den Unterschied zwischen diesem Brot und dem Industriebrot, das wir heute fast ausschliesslich essen. Man begreift schliesslich auch, dass wir dem Zeitraffer unserer modernen Welt sehr viel geopfert haben.

Schleichender Zerfall eines Sinnbilds der Nation

 

In der heutigen Welt voller Hektik sind historische Denkmäler Zeugen aus früherer Zeit, bei denen Menschen eine Art Halt finden, weil sie Kontinuität darstellen. Dadurch stiften sie Hoffnung in Bezug auf die Zukunft des Landes bzw. der ganzen Menschheit. Neben anderen symbolträchtigen Orten der Schweiz sind zum Beispiel die Kapellbrücke und die Rütliwiese Sinnbild für die Dauerhaftigkeit der gemeinsamen nationalen Werte – trotz der unablässigen Veränderungen. Eine Umfrage im Namen des Bundesamts für Kultur hat das kürzlich bestätigt. Es gibt aber für die Schweizer ein natürliches Monument, das sie noch mehr verbindet: die Berge. Ist es Zufall, dass die Gründung des Schweizer Alpenclubs (SAC) kaum fünfzehn Jahre nach der Schaffung des Schweizer Bundesstaats erfolgte? Vermutlich nicht. Der Historiker und Journalist Daniel Anker vertritt die Meinung, dass der SAC bei der Bildung der nationalen Identität sogar eine wichtige Rolle spielte. Heute aber scheint die fest im Bewusstsein der Schweizer verankerte Bergwelt, die gleichzeitig einen gewaltigen touristischen Anziehungspunkt darstellt, in Gefahr. Ganz im Gegensatz zum Bild, das die Menschen sich von ihnen machen, sind die Alpen nämlich nicht unverrückbar und immer während. Der am Edytem des Nationalen Zentrums für wissenschaftliche Forschung Frankreichs (CNRS) wirkende Forscher Ludovic Ravanel erinnert daran, dass das Gebirge eigentlich ein gewaltiger Haufen aus gefrorenem Stein und Fels ist. Infolge der Klimaveränderung ist dieses Gebilde nun bedroht: Das Auftauen des Permafrosts kann ganze Felswände in Bewegung setzen und bringt damit nicht nur die Bergsteiger sondern auch die Alpenbewohner in Gefahr. Was bedeutet, dass auch ein nicht unerheblicher Teil der Tourismusbranche in den Berggebieten betroffen ist. So hat der französische Wissenschaftler – der sich spezifisch mit Umwelt, Dynamik und Berggebieten beschäftigt – aufgezeigt, dass zwischen Hitzeperioden und Felsstürzen ein Zusammenhang besteht. Der Hitzesommer 2015 hat der Permafrost-Problematik zu mehr Aufmerksamkeit verholfen, so dass sie an der UN-Klimakonferenz (United Nations Framework Convention on Climate Change) thematisiert werden dürfte. Die 21. Auflage der Konferenz steht vom 30. November bis zum 11. Dezember 2015 in Paris auf dem Programm.

Was die französische Hauptstadt angeht, so findet hier im August 2018 auch die zehnte Auflage der Gay Games statt, eine Veranstaltung, die aus den Vereinigten Staaten nach Europa gekommen ist. Die Gay Games machen sich für sexuellen Antikonformismus stark: Gefordert wird mehr Toleranz gegenüber den LGBTI (Lesben, Gays, Bisexuelle, Transgender und Intersexuelle). Ebenfalls bestimmte Vorlieben des Zielpublikums stehen bei „Tourism Australia“, der Tourismusorganisation Australiens, im Zentrum, die für ihre Promotionsaktionen neuerdings auf das Giga-Selfie setzt. Dank einer spezifischen App können Touristen an emblematischen Orten, an denen sie sich aufhalten, Videoaufnahmen von sich auslösen, die ihnen per E-Mail zugeschickt werden. Die Reisenden können übrigens auswählen, an welchen Orten sie aufgenommen werden möchten. Zu seinen Vorlieben zu stehen, liegt definitiv im Trend.

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