Herausforderungen für die Walliser Hotellerie

Umfrageergebnis zur generellen touristischen Beherbergungssituation im Alpenraum

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Beherbergung
Herausforderungen für die Walliser Hotellerie

Das Walliser Tourismusobservatorium hat in enger Zusammenarbeit mit dem Walliser Hotelierverein (WHV) eine Umfrage realisiert, die zum Ziel hat die Natur und Wichtigkeit der hauptsächlichen Herausforderungen zu erfassen, denen sich die Walliser Hotellerie stellen muss.

Die 413 Mitgliedsbetriebe des WHV wurden eingeladen sich an einer Online-Umfrage zu beteiligen. Obwohl die Beantwortungsquote bei lediglich 20% lag, reflektiert die Stichprobe dennoch die Struktur der Walliser Betriebe, die dem WHV angehören. Die Umfrage liefert interessante Informationen betreffend den Schwierigkeiten, die im Bereich der Finanzierung auftreten und zwar sowohl bei den Investitionen als auch bei den Betriebskosten. Die Umfrage gibt auch Auskunft zu sensiblen Themen wie der Personalführung, der Weiterbildung, der Betriebsnachfolge und auch über Kooperationspotentiale.

Es ist interessant, eine Parallele zu ziehen zwischen den Erkenntnissen dieser Umfrage und den Feststellungen, die sich aus anderen Analysen und Studien in der Schweiz und im Wallis zu den Herausforderungen der Hotellerie ergeben.

In einem kürzlich veröffentlichten Bericht (1) hat hotelleriesuisse Überlegungen und Positionen in Bezug auf die Orientierung der Tourismuspolitik in den Bergregionen vorgestellt. Gemäss der Dachorganisation haben das Preisniveau und die Entwicklungsrestriktionen in der Schweiz Proportionen erreicht, die zur Folge haben, dass der Ferientourismus in der Schweiz grosse Mühe bekundet in den wichtigen europäischen Märkten wettbewerbsfähig zu bleiben. Deshalb wird es immer schwieriger, Hotelprojekte in Gerbdestinationen ohne Querfinanzierung zu realisieren. Die Ergebnisse unserer Umfrage bestätigen diese Herausforderung, die von hotelleriesuisse präsentiert wurde. Bezüglich der Schwierigkeiten bei der Finanzierung von Projekten in der Walliser Hotellerie zeigen sich in unserer Analyse drei klare Faktoren. Mehr als 60% der befragten Hoteliers betrachten die Anforderungen und Evaluationskriterien der Banken als zu hoch; sie bestätigen die schwache Rentabilität der Betriebe und stellen mangelnde Marktkenntnisse seitens der potentiellen Investoren (Banken usw.) fest. Auch die Frage der Produktionskosten wird von einer Mehrheit der Walliser Betriebe in allen Bereichen als problematisch wahrgenommen.

In seinem Rapport vom 26. Juni 2013 zur strukturellen Situation des Schweizer Tourismus setzt der Bundesrat den Akzent auf die Probleme, die durch die negative Entwicklung der Rentabilität und der Verschuldung der Schweizer Hotellerie entstanden sind. Seit 2009 verursacht ein konstanter Rückgang des Bruttobetriebsergebnis GOP bei den Schweizer Hotels auch einen Rückgang des Ertragswerts der Betriebe. Ganz wie bei den Antworten auf unsere Umfrage, unterstreicht der Rapport des Bundesrats die Tatsache, dass die Hoteliers in naher Zukunft bei der Finanzierung ihrer Investitionen nicht mehr mit der Aufnahme von Fremdkapital rechnen können. Dagegen ist es erfreulich eine kontinuierliche Zunahme der Finanzierungen durch die Schweizerische Gesellschaft für Hotelkredite (SGH) festzustellen, die während der Periode 2007 – 2012 eine Zunahme ihrer Darlehen von 90 auf 135 Millionen CHF feststellen konnte. Erinnern wir uns, dass in der Folge der durch das Parlament beschlossenen Massnahmen im August 2011 zur Dämpfungen der Auswirkungen des starken Schweizer Frankens, die SGH von der Eidgenossenschaft ein provisorisches Darlehen (bis Ende 2015) von 100 Millionen Schweizer Franken erhalten hat. Ende 2012 waren jedoch lediglich 17 Millionen der zusätzlichen Kredite tatsächlich investiert. Dies lässt darauf schliessen, dass die durch die Unterstützung der SGH beabsichtigte Multiplikatoren-Effekte bei den Investitionsvorhaben durch die Vorsicht der Unternehmen gebremst wird. Diese Betriebe rechnen offensichtlich mit einer längeren, konjunkturell schwierigen Periode und verschieben deshalb weiterhin ihre Investitionsprojekte. In diesen Zusammenhang empfiehlt der Kanton Wallis in seinem Strategierapport zur Entwicklung der touristischen Unterkünfte, die Darlehensplattform der SGH durch eine Staatsbürgschaft gegenüber der SGH zu erhöhen.

Damit die Hotelbetriebe ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit wiedergewinnen, ist es unerlässlich dass:

  • die Politik die Hochpreisinsel in Angriff nimmt und die Rahmenbedingungen so verbessert, dass die Produktionskosten gesenkt werden können.
  • die Hotelunternehmen bereit sind, sich in eine Kooperation einzubringen und eine verstärkte Integration zwischen touristischen Betreibern und den Ferienorten anstreben, mit dem Ziel leistungsfähige und konsequenterweise wettbewerbsfähige Betriebe zu ermöglichen (hotelleriesuisse 2013).

Unsere Umfrage deckt auf, dass noch keine besonders stark entwickelte Kooperationskultur zwischen den Walliser Hoteliers besteht. Mit Ausnahme des Marketings und den Aktivitätsprogrammen sowie der gemeinsame Nutzung von Ausrüstungen oder Produkten, stösst die Idee, auch in anderen Geschäftsbereichen zusammenzuarbeiten, vorerst noch auf viele Vorbehalte. Die Zusammenarbeit ist also eine der primären Herausforderungen, um die Dienstleistungen auszubauen, ihre Qualität zu verbessern und somit die Attraktivität des Angebots aus der Perspektive des Kunden zu erhöhen.

Die detaillierten Resultate unserer Analyse:

Analyse WHV 2014

 Referenz:

(1) hotelleriesuisse 2013. Welche Tourismuspolitik für die Schweiz? Überlegungen und Positionen von hotelleriesuisse betreffend die Tourismuspolitik in den See- und Bergregionen. hotelleriesuisse, Bern.

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