Kundentendenzen 2016

Einschätzungen von zwei Walliser Tourismusakteuren

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Kundensegmente
Kundentendenzen 2016

Photo: Valais/Wallis Promotion

Für Pierre-André Gremaud (Direktor von Verbier - Val de Bagnes - La Tzoumaz Promotion SA) stehen Differenzierung, Sicherheit und Einfachheit an vorderster Stelle.

P A Gremaud

Er ist der Ansicht, dass die entscheidende Frage, die man sich stellen muss – sowohl für 2015 als auch für 2016 – immer die gleiche ist: Warum macht ein Tourist bei uns Urlaub? Dafür sind die Möglichkeiten tatsächlich unbeschränkt. Die Priorität liegt auf Angebot, Kommunikation und Qualitätsstandard, um sich von anderen Tourismusregionen zu unterscheiden. Differenzierung und Diversifizierung nehmen dabei eine wichtige Rolle ein. Die Segmentierung ist bei diesen Überlegungen sehr wichtig, um einen Inhalt präsentieren zu können, der sowohl die touristischen Akteure (Reiseveranstalter, Agenturen, Journalisten, Blogger usw.) als auch die Touristen selbst interessiert. Es geht also darum, diesen alles entscheidenden Inhalt genau festzulegen. Es wäre ein Fehler, „von allem ein bisschen“ anzubieten und davon abzusehen, sich auf eine präzise Thematik zu konzentrieren.

Die Attentate des vergangenen Jahres geben Grund zur Besorgnis bezüglich der Sicherheit. Die relativ nahen Baderegionen sind nicht mehr so sicher wie früher und die europäischen Hauptstädte sind Opfer von terroristischen Bedrohungen. Diese Tatsachen müssen nach Ansicht von Pierre-André Gremaud berücksichtigt werden, da die europäischen Kunden sehr um die Sicherheit besorgt sind.

Das letzte Kriterium, das von dem Direktor von Verbier-Val de Bagnes-La Tzoumaz Promotion SA hervorgehoben wurde, ist die Einfachheit. Die verfügbare Zeit ist wertvoll und immer häufiger begrenzt. Es ist wichtig, für eine Destination gut positioniert zu sein und einen einfachen Reservationsablauf anzubieten. Die Zeiten der langen Recherchen sind vorbei, heutzutage ist es entscheidend, „schnell gefunden zu werden und einfach online buchbar zu sein“. Ansonsten muss man damit rechnen, dass die potenziellen Gäste sich einen anderen Ferienort aussuchen.

 

Auch Janine Imesch, Marketingverantwortliche von Zermatt, zeigte sich gerne bereit, unsere Fragen zu beantworten. Nach ihrer Ansicht wird das Jahr 2016 für einen Wechsel bezüglich des Reservationsverhaltens stehen. Tatsächlich reservieren die Kunden immer häufiger die Wochenenden und vernachlässigen Wochenreservationen. Dazu kommt, dass die Wintersaison immer kürzer wird und die Aktivitäten im Sommer vielfältiger werden.

Janine Imesch

Nach Ansicht von Janine Imesch verstärken sich weiterhin die aktuell beobachteten Änderungen im Reservationsverhalten. Die Gäste reservieren immer häufiger spontan. Die Entscheidungen werden im letzten Moment hinsichtlich Wetterbedingungen oder  Sicherheit der Feriendestination getroffen.

Im Sommer diversifiziert sich das Angebot. Die traditionellen Aktivitäten, wie das Wandern oder Sommerskifahren, machen praktischen Veränderungen Platz: das mountainbike zum Beispiel. Die Dominanz des VTT downhill oder VTT ist vorbei. Ganz oben auf der Liste stehen „All Mountain“ und „Enduro Biker“, die grandioses Panorama, Gastronomie und öffentlichen Transport schätzen. Entgegen bisherigen Einschätzungen sind die biker respektvolle Kunden und sehr sensibilisiert auf die Umwelt und auf Ideen, die das Konzept einer nachhaltigen Entwicklung fördern.

Im Zusammenhang mit der Wintersaison unterstreicht Janine Imesch, dass die Kunden immer häufiger verlängerte Wochenenden reservieren, z.B. von Donnerstag bis Sonntag und von Wochenreservationen absehen. Die Tourismusfachleute müssen sich also an diese neuen Aufenthaltskonzepte anpassen und ihre Angebote konsequenterweise überdenken. Man kann auch feststellen, dass die Wintersaison kürzer wird, und das nicht nur aufgrund des mangelnden Schnees.

 

Diese Ansichten ziehen einige Fragen nach sich. Aufgrund einer weltpolitisch relativ unstabilen Situation stellt sich die Frage, ob die Touristen nicht auf der Suche nach „Sicherheit“ sind, die ihnen unsere schönen Schweizer Berge bieten könnten. Und können wir diese Sicherheit – im Hinblick auf unsere Nachbarländer wie zum Beispiel Frankreich – wirklich garantieren? Was kann man tun, um einem unbeständigen Wetter entgegenzutreten, das die „last minute“-Reservation stark herausfordert. Wenn verschiedene Angebote betreffend die Sommersaison in Richtung sportliche Aktivitäten in freier Natur gehen, wie beispielsweise mountainbike, liegt es an jedem Einzelnen seine Marktlücke zu finden, um sich von anderen Tourismusregionen zu unterscheiden. Ein wichtiger Hinweis: Bitte einfache Internetzugänge machen!

P.S. Interessiert am Radwandern im Wallis? Das Tourismusobservatorium publiziert demnächst eine Studie zu diesem Thema. Um informiert zu bleiben, abonnieren Sie unseren newsletter.  

 

 

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