Wahrnehmung des crowdfunding im Tourismus

Synthese der crowdfunding Workshops des „Tourism Professional Meeting“ am 4. Dezember 2015

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Management

Dr. Vincent Grèzes leitete die crowdfunding Workshops, die am 4. Dezember 2015 anlässlich des „Tourism Professional Meeting“ an der Hochschule für Wirtschaft und Tourismus in Sierre stattfanden.

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Während dieser Workshops konnte man die Grundsätze der partizipativen Finanzierung (crowdfunding) in Erinnerung rufen und auf ihre Vorteile und notwendigen Schlüsselfaktoren für einen erfolgreichen Einsatz hinweisen, bevor ein vollständig neues Modell präsentiert wurde, das erlaubt, die Projektträger bei der Erstrealisierung einer Finanzierungskampagne zu begleiten.

Die vorliegende Synthese besteht aus einer Zusammenfassung der Resultate dieser Workshops und basiert auf Informationen aus wissenschaftlichen Publikationen, auf Umfragen einer breiten  Öffentlichkeit, auf Interviews, die vom Autor durchgeführt wurden, und auf den Diskussionsresultaten der Workshop-Teilnehmer.

Das Zielpublikum setzte sich im Allgemeinen aus Tourismusfachleuten des privaten und öffentlichen Bereichs mit nationalen, regionalen und lokalen Interessen sowie aus Dozenten von Hochschulen und Universitäten zusammen. Anlässlich der beiden Workshops, die am Freitag, den 4. Dezember 2015 stattfanden, konnten über 50 Teilnehmer begrüsst werden, von denen 43 % eine crowdfunding Kampagne zu lancieren beabsichtigen. 11.5 % gaben an, bereits eine Spende auf einer crowdfunding Plattform geleistet zu haben und 11.3 % waren Projektträger (finanziert oder nicht finanziert).

Die Erwartungen, welche die Teilnehmer an die Workshops hatten, sind in der nachfolgenden Infographie synthetisiert.

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Zuerst wurden die vier verschiedenen Arten des crowdfunding präsentiert, d.h. das crowdinvesting  (partizipative Investition), das crowdfunding mit oder ohne Gegenleistungen (reward based und donating) und das crowdlending (partizipative Darlehen) mit Beispielen, welche die Finanzierung einer Bar, einer Bäckerei oder auch einer Uhrenfabrik betrafen. Danach hatten die Teilnehmer die Gelegenheit, sich über die finanztechnischen bzw. nichtfinanztechnischen Vorteile dieser Finanzierungsmethoden auszutauschen.

Die Resultate reflektieren die Wahrnehmungen der Teilnehmer, bevor sie mit der Präsentation von Analysen aus der Literatur und mit Fallstudien vertraut gemacht wurden.

Die wichtigsten Finanzierungsvorteile für die Projektträger, repräsentiert durch die Teilnehmer, sind der Zugang zu Kapital und die Diversifizierung von Fonds, die während der Workshops 26 von 95 Mal hervorgehoben wurden. Danach kommen die Vorteile der nicht vorhandenen Risiken (8/95), des Marketings und der Promotion (7/95) und schliesslich der weniger restriktiven Konditionen gegenüber den Banken (6/95).

Die wichtigsten finanztechnischen Vorteile für die Investoren oder Donatoren, die durch die Teilnehmer hervorgehoben wurden, sind die Gegenleistungen (14/51), der Ertrag (9/51) und die Reduzierung der Steuern und Gebühren (6/51). Dabei muss man festhalten, dass der letzte Punkt von Fall zu Fall abgeklärt werden muss.

Der wichtigste nicht finanztechnische Vorteil für die Projektträger, repräsentiert durch die Teilnehmer, ist die Herausforderung im Bereich des Marketings, die 13 von 95 Mal erwähnt wurde. Danach kommen die Vorteile im Zusammenhang mit dem Markttest (12/95), der Sichtbarkeit (10/95) und dem Netzwerk beziehungsweise der Gründung einer Interessensgemeinschaft (9/95).

Die wichtigsten nicht finanztechnischen Vorteile für die Investoren und Donatoren, die von den Teilnehmern festgehalten wurden, sind die Beteiligung an einem Projekt und an einer Gemeinschaft (15/60), die Gegenleistungen und die Bezahlung in Naturalien (11/60), die Wohltätigkeit, das Bewusstsein und die Unterstützung (9/60).

Die wichtigsten Schlüsselfaktoren für den Erfolg, in Erinnerung gerufen durch den Autor, wurden in 4 grosse Kategorien eingeteilt: die Qualitäten der Projektträger, die Qualitäten des Projekts, die Qualität der Kommunikation und die Qualität der Zielgemeinschaften. Diese unterschiedlichen Elemente ermöglichten es, ein neues Modell zur Definition der essentiellen Elemente für eine crowdfunding Kampagne vorzuschlagen.

Dieses Modell sowie die Gesamtheit der Präsentationen und der bibliographischen Referenzen sind online verfügbar:

Zur weiteren Vertiefung des Themas können Sie auch die blogs konsultieren:

  1. Erfahrungen und Erfolgsfaktoren des crowdfunding im Schweizer Tourismus
  2. Analyse und Identifizierung der crowdfunding Projekte im Zusammenhang mit dem Schweizer Tourismus
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