Virtuelle Realität im Dienste der Erfahrungen in den Bergen

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e-Tourismus und Technologie
Virtuelle Realität im Dienste der Erfahrungen in den Bergen

Das Internet der Objekte (Internet of Things ou IoT) ist im Begriff, die Tourismus- und Reise-Sektoren zu verändern. Dabei erscheint Google seit seiner Einführung von Google Glass als einer der Pioniere, die sich in diesem Markt positioniert haben. Google Glass: ist ein Tool, das genauso revolutionär wie vergänglich ist, werden Sie vermutlich sagen! Auch wenn das Tool bislang die Tourismusfachleute noch nicht wirklich überzeugen konnte, so hätten die „intelligenten Brillen“ es doch verdient, als Umbruch im digitalen Tourismus wahrgenommen zu werden. Während  digital verbundene Gepäckstücke und intelligente Uhren ihren Siegeszug bei den Konsumenten fortsetzen, gibt die virtuelle Realität den touristischen Akteuren vorerst interessante Perspektiven, die zum Ziel haben, sich in Richtung einer experimentelleren Marketing-Strategie zu verändern.

Die Unterschiede  von virtueller Realität, immersiver Realität 360°, erweiterter Realität und überlagerter Realität

Die virtuelle Realität (VR) ist eine multimediale Technologie, die eine existierende oder imaginäre Umgebung simuliert, mit der es möglich ist zu interagieren. Allgemein gesehen basiert diese Technologie auf der Absicht, eine Illusion zu kreieren. Allerdings können auch andere Sinne wie der Geruch, das Gehör oder die Berührung beigezogen werden, um eine noch intensivere Erfahrung zu ermöglichen. In dem Fall spricht man von einer 4D Erfahrung (Bsp: : Futuroscope). Die immersive Realität 360°, ob sie nun virtuell ist oder nicht, setzt die Aufnahme von 360° Fotos oder Videos voraus, um eine Gesamtvision einer reellen Landschaft zu bekommen. Die erweiterte Realität stützt sich auf ein tatsächliches physikalisches Umfeld ab und überlagert dieses mit fiktiven Bildern in Echtzeit. Die überlagerte Realität ist schliesslich eine echte kleine Neuheit! Sie kombiniert die erweiterte Realität mit dem storytelling. Diese Technologie inszeniert eine Figur, die eine Geschichte/Anekdote erzählt, während Sie bestimmte Orte filmen.

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Zwischen dem Virtuellen und dem Reellen nur ein VR Headset

Es wurden verschiedene Tools entwickelt, damit man von diesen neuen Technologien profitieren kann. Die bekanntesten Entwicklungen wurden durch die amerikanische Firma Oculus (2014 durch Facebook zurückgekauft) entwickelt, die sich als Spezialisten in virtueller Technologie profiliert haben. Es existiert der Head-Mounted Display „Oculus Rift“ und seit kurzem der Headset „Gear VR“, der von Samsung kommerzialisiert wird. Mit diesem können die Benutzer Videos ansehen, indem sie das Video Headset an ihr Handy adaptieren. Andere Hersteller von Smartphones beginnen nun ebenfalls ähnliche Produkte zu entwickeln. Vor allem HTC ist kurz vor der Markteinführung seines Headsets für die virtuelle Realität „HTC live“. Auf dem Weg zur Goldgrube der „Virtualität“ vermehren sich nun die Startups (Hololens, Magic Leasp, Sky-Boy), die eine Marktdurchdringung mit neu geschaffenen Applikationen und Apparaten zum Ziel haben. 

 

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In einer Industrie wie dem Tourismus, der durch eine gewisse Unveränderbarkeit charakterisiert wird, ist es manchmal schwierig, den Kunden zu überzeugen oder ihn für eine Buchung zu gewinnen. Die virtuelle Realität, die eine visuelle und immersive Darstellung der Destination ermöglicht, erschliesst in diesem Erfahrungskonzept eine neue Dimension. Im Unterschied zur Funktionalität von „Google StreetView“, dank der ein Internetbenutzer einen Ort passiv besuchen kann, vermittelt die virtuelle Realität den Eindruck tatsächlich dort zu „sein“. Der Benutzer wird zum „Hauptdarsteller“ (beinahe schon Tourist) im Herzen einer Destination, in der er die ganze Dynamik spürt, ohne jemals dort gewesen zu sein!

Eine experimentelle Marketingstrategie: Immersion, Emotion, Projektion

Nachdem die grossen Luftfahrtgesellschaften (Bsp.: Delta Airlines, Lufthansa, Qantas usw.), Hotelketten (Bsp.: Mariott) oder Tourismuskonzerne (Bsp.: Thomas Cook) die virtuelle Realität bereits zum Liebling ihrer Werbeaktionen erklärt haben, popularisiert sich diese Technologie nun und wird auch für kleinere Institutionen zugänglich, die auf diesem Weg für ihre Angebote werben. Einer der Vorreiter in diesem Bereich ist Destination British Columbia, die mit der touristischen Promotion der kanadischen Provinz beauftragt ist. 2014 rüstete sich die Organisation im Rahmen von Fachmessen in New York und Washington mit Oclus Rift aus, um die möglichen Naturaktivitäten durch Videos mit dem Titel „The Wild Within“  herauszustreichen. Durch die Ausstattung mit diesen intelligenten Brillen ergibt sich für die Interessierten die Möglichkeit, auf einem Schiff virtuell an Bord zu gehen, um Seelöwen zu beobachten oder an einer Bergwanderung teilzunehmen. Um diese Videos realisieren zu können, hat Destination British Columbia Drohnen eingesetzt und Wanderer mit Kameras ausgestattet.

Die „Teleportation Box“ von Val Thorens

Seither sind einige DMO dem Beispiel von British Columbia gefolgt. Anlässlich der Messe „Grand Ski“ in Chambéry im vergangenen Januar hat die französische Station Val Thorens die „Teleportation Box“ präsentiert. Ist man einmal an Bord dieser Kabine, die mit einem „Head-Mounted Display ausgestattet ist, sieht sich die Person in das Skigebiet „teleportiert“. Eine solche Infrastruktur auf die Beine zu stellen, war eine grosse Herausforderung für die Skistation. Die Realisierung von 360° Videos und der Kauf einer entsprechenden Kabine hatten zum Ziel, die Station zu fördern (…) und das Wirklichkeit werden zu lassen, von dem man erzählt (Das vollständige Interview mit der Equipe von Val Thorens finden Sie unter etourisme.info.

Obwohl sich diese Technologie bisher im Wesentlichen auf Promotionsziele fokussiert, beginnen die Destinationen diese Technik auch als virtuelle Assistenten einzusetzen, um die Erfahrung ihrer Kunden Vorort zu intensivieren.

Die virtuelle Realität als Begleiter der Skifahrer

Das Beispiel von Valmorel

Auch Valmorel hat sich kürzlich bei seiner Positionierungsstrategie dem Digitalen verschrieben, indem die Station eine gratis-herunterladbare Applikation anbietet, welche die virtuelle Realität integriert. Die Anwendung konzentriert sich auf praktische Informationen (Wetter, interaktive Karten oder den Fahrplan der Shuttlefahrzeuge) verbunden mit spielerischen Funktionalitäten wie Vorschläge für Aktivitäten, Filme oder Fotos. Der Besucher verbindet eine intelligente Brille mit seinem Smartphone, um sich die 360° Videos in einer Art und Weise anschauen zu können, in der man sich inmitten der Aktion befindet. Man hat dabei das Gefühl, mit dem Gleitschirm über die Hügel der „Tarentaise“ zu fliegen, in der Umgebung des Dorfes oder direkt in den belebten Strassen der Station zu spazieren.

Aletsch Arena wagt den Sprung in die „Virtualität“

Die Anwendung MAPtoSNOW von der Aletsch Arena ergänzt das touristische Angebot um eine intelligente Navigation. Eine Option mit der erweiterten Realität erlaubt es, Informationen über die Besonderheiten der Berge in der Umgebung in Echtzeit zu erhalten. Die Anwendung beinhaltet auch weitere Funktionen, die es dem Skifahrer erlauben, sich persönlichen Herausforderungen zu stellen, die er filmen und mit seiner Gemeinschaft in den sozialen Netzwerken teilen kann.

Heute noch marginal, morgen normal

Weil die grossen Beeinflusser des Internets an der Popularisierung der virtuellen Realität direkt teilhaben, dürfte der Aufschwung dieser Technologie in den kommenden Jahren schneller vorangehen, als man es sich heute vorstellen kann. Seit Januar 2016 können Sie mit Google eine virtuelle Besteigung des Mont-Blanc machen, während die sozialen Netzwerke wie YouTube und Facebook seit September 2015 bereits ermöglichen 360° Videos anzuschauen. Zu diesem Thema hat Facebook kürzlich bestätigt, eine Equipe gebildet zu haben, die sich ganz speziell der virtuellen Realität und deren Integration in ihre Plattform widmet. In Utah wird übrigens mit The VOID im Juni 2016 das erste Vergnügungszentrum eröffnet, das sich ganz der virtuellen Realität widmet.

 

Wenn man den Voraussagen glaubt, wird die virtuelle Realität noch im Jahr 2016 6.7 Milliarden Dollar Umsatz generieren und soll bis ins Jahr 2020 ein Volumen von annähernd 70 Milliarden Dollar erreichen. Eine Studie der amerikanischen Bank Goldman Sachs sagt sogar voraus, dass der Markt der virtuellen/erweiterten Realität innerhalb von 10 Jahren das Fernsehen überholen wird. Der Verkauf der VR Headsets soll bis 2020 einen Umsatz von 110 Milliarden Dollar erreichen, gegenüber lediglich 99 Milliarden für den Verkauf von Fernsehern.

 

Referenz:

Aurélie Krau, “Virtual Reality: What Potential For The Travel Industry?” Travel Think, 7 Januar 2016

Aurélie Krau, « La Réalité Virtuelle: Quel Potentiel Pour L’industrie Du Voyage ? » Travel On Move, 14 Januar 2016

Dan Pelletier, “British Columbia Turns to Oculus Rift for a Virtual Reality Tourism Experience”, Skift, 10 Dezember 2014

eTourisme Feng Shui, « #Startups : Sky-Boy mèle technologie et émotions avec la Réalité Superposée », 29 Januar 2016

Guillaume Serries, « Réalité virtuelle, smartphone, réseaux sociaux : comment les stations de ski se numérisent », ZDNet.fr, 10 November 2015

Gauthier Virol, « Facebook annonce la création d'une équipe dédiée à la réalité virtuelle », LeFigaro.fr, le 22 Februar 2016

Jean-Luc Boulin, «Nous irons tous au Paradiski », etourisme.info, 11 Januar 2016

Julia Luczak-Rougeaux, « En 2025, Le marché de la réalité virtuelle dépassera celui de la télévision », Travel On Move, 8 Februar 2016

Julia Luczak-Rougeaux, « The Void : Le Parc D’attractions Dédié À La Réalité Virtuelle », Travel On Move, 11 Februar 2016

Nicolas Luciu, « Le casque de réalité virtuelle de HTC coûtera 799 dollars », LeFigoro.fr, 22 Februar 2016

Pauline Cao, «Valmorel se lance dans la réalité virtuelle : une nouvelle appli pour une expérience à 360° », Tourmag.com, 8 Januar 2016

Pauline Cao, « Google propose une ascension virtuelle du Mont Blanc », Tourmag.com, 22 Januar 2016

Pierre Eloy, « Réalité Virtuelle immersive en 360° avec un p’ti peu de 4D … bienvenue en 2016 », etourisme.info, 28 Januar 2016

Sophie Castellanos, « Réseaux sociaux : vidéo 360° et micro-format, des opportunités pour le tourisme », Travel On Move, 4 Februar 2016

Tnooz.com, “Virtual reality primed to become a tourism marketing reality”, 20 Januar 2016

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