Google am Steuer der Zukunft – auch im Tourismus

Synthese vom 13. bis zum 26. September 2016

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Market Intelligence
Google am Steuer der Zukunft – auch im Tourismus

Verschwinden die klassischen Online-Reiseführer bald von der Bildfläche?

Facebook verfolgt seine Werbestrategie mit grosser Beharrlichkeit und ermöglicht es neuerdings den Tourismusakteuren, ihre Kundschaft noch präziser anzugehen. Die Zauberformel heisst Facebook und die dynamische Werbung für Reiselustige. Die entsprechenden Anzeigen sind ganz spezifisch für die Tourismusbranche zugeschnitten und erlauben dieser das Schalten von Werbung hervorragender Qualität für all ihre Produkte und Dienstleistungen. Mit diesem neuen Facebook-Dienst können nicht nur die Verkaufs- und Buchungszahlen gesteigert, sondern auch der Bekanntheitsgrad einer Marke kann verbessert werden. Marriott und Trivago testen seit Mai 2016 die Beta-Version. Das Konzept beruht auf der Vorstellung, dass Facebook interessante Andockpunkte liefern kann, um potenzielle Kunden auf eine Website oder eine mobile App zu locken, und zwar genau im entscheidenden Moment. Beispiel: Jemand surft im Internet auf der Suche nach einem Hotel und macht Anstalten, die Suche aufzugeben, ohne reserviert zu haben. Die letztbesuchte Hotelkette kann dem User genau in diesem Moment via Facebook Werbung zuspielen, die seinen Suchkriterien gezielt entspricht. Solche Remarketing-Kampagnen könnten sogar mit automatischen Optimierungssystemen zur Berechnung der interessantesten Preisverhältnisse für die mit der Anzeige angepeilte Person aufgerüstet werden. Andere Möglichkeit: Eine Fluggesellschaft kann bei Personen, die kurz vorher im Internet einen Flug nach Berlin gesucht haben, Bilder dieser Stadt auf den Bildschirm zaubern. Werbung mit tollen Fotos kann zusammengestellt werden, ja, eigentliche Kataloge, die beispielsweise mit dem Stream eines Hotels verbunden werden. Oder wenn jemand eine Tourismus-Website besucht und dort nach Informationen zu Paris gestöbert hat, dann kann diese Website ganz gezielt auf die Person „zugehen“ und ihr eine reich bebilderte Anzeige mit Aufnahmen vom Pont des Arts, den Tuilerien und dem Louvre zuspielen. US-Amerikaner verbringen 20% ihrer Zeit auf der Instagram- und/oder Facebook-App, um nach Reiseideen und Mittel und Wegen zu suchen, sie umzusetzen. Fazit: Für die Anbieter sind Social Media unumgänglich. Google wiederum hält eine weitere Neuheit bereit, um der Kundschaft beim Organisieren von Reisen behilflich zu sein: Google Trips, eine Innovation, die dem Interessenten ein Reiseprogramm vorschlägt, das ganz auf seine Neigungen zugeschnitten ist. Wie im Promotionsclip der App ersichtlich, werden dabei auch individuelle Anliegen der Reisenden berücksichtigt. So kann z.B. der persönliche Terminkalender in die Planung integriert werden (via Google Agenda) und sogar Unvorhergesehenes kann nachträglich einberechnet werden (via Gmail). Die App interagiert nämlich mit insgesamt sechs Google Produkten! Das bedeutet, dass sie eigentlich so etwas wie eine mächtige Datenbank mit zusammengeführten Informationen darstellt. Sogar für TripAdvisor und Airbnb könnte das ungemütlich werden. Folglich versuchen auch sie, sich auf dem Markt der personalisierten Reiseführer zu positionieren.

Das Leben wird einfacher – dank „Superhosts“ und autonomem Taxitransfer.

Stets auf Expansionskurs, setzt Airbnb schon wieder auf eine neue Karte – und läuft damit die Gefahr, an Authentizität zu verlieren. Der sogenannte „Superhost“ ist oft eine simple Agentur. Das funktioniert so: Die Person, die auf Airbnb ein Objekt zur Miete anzubieten hat, übergibt den ganzen Vermietungsprozess einem Profi. Gegen Bezahlung, versteht sich. Das kostet den Wohnungsbesitzer ca. 20% des Preises, den der Airbnb-Kunde bezahlt. Für Besitzer, die sich lieber nicht selbst um die Vermietung ihres Objekts bemühen, ist die Lösung dennoch verlockend – zumal die Kommission verhandelbar ist. Dem Rat des Marketing- und Innovationsspezialisten Madhavan Ramanujam folgend, hat Airbnb seine Dienstleistung auf der Grundlage dessen konzipiert, was die Kunden schätzen und wofür sie zu zahlen bereit sind. Der Erfolg dürfte nicht ausbleiben. Im Bereich Werbung ist Airbnb allerdings weniger gut beraten: Man erinnere sich an die letztjährige Kampagne, bei der Airbnb sich auf das Hervorheben der zahlreichen, unterschiedlichen Objekte und deren grosser Verfügbarkeit beschränkte. Uber ist da sehr viel erfindungsreicher und verfolgt mit seiner ersten Offline-Werbung einen ganz anderen Ansatz. Mit Unterstützung von Marcel Agency bedient sich Uber des Erlebnismarketings – und trifft ins Schwarze! Angesprochen werden Uber-Kunden und Uber-Fahrer zugleich. Taxitransfers werden zu tollen Erlebnissen hochstilisiert. Vielleicht ist das auch tatsächlich, was der Dienstleistung von Uber das gewisse Etwas verleiht und bei den Menschen so gut ankommt. Und wahrscheinlich sind die jungen Leute, die heute auf ihren eigenen Wagen verzichten, morgen die ersten Kandidaten für die Benutzung, ja sogar Anschaffung von autonomen Fahrzeugen. Im Tourismus gibt es bereits erste Umsetzungen dieses neuen Konzepts. So verkehren in London und La Rochelle kleine Pendelbusse für je etwa zehn Touristen, denen eine spezifische Ausstattung geboten wird. Die Reisenden können z.B. auf Informationen zu den Sehenswürdigkeiten zugreifen, an denen sie vorbeigefahren werden. Allerdings interessieren sich die Fabrikanten von autonomen Fahrzeugen momentan mehr für Taxis als für Touristenbusse. In der Präfektur Kanagawa südlich von Tokyo werden gegenwärtig automatische Taxis getestet.

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