Den Zimmerservice neu erfinden

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Den Zimmerservice neu erfinden

Seit einigen Jahren entsprechen die Einnahmen aus dem Zimmerservice nicht mehr den Erwartungen der Hoteliers. Sie sind gemäss PFK Hospitality Research zwischen 2007 und 2012 tatsächlich um 10 % zurückgegangen. Die Take-Out Lieferungen an Hotels hingegen haben von Januar 2011 bis Juli 2014 – gemäss den Angaben von 8000 weltweit erfassten Hotels – um 125 % zugenommen, wie die Web Plattform GrunHub, die über ein Netzwerk von 29‘000 Restaurant in 700 Städten verfügt, ermittelte. Diese Studie zeigt auch auf, dass Hotelgäste 11 % mehr ausgeben als die übrigen Konsumenten.

Direkt vom Markt

Immer öfter übernehmen Boutique-Hotels und grosse Hotelketten das Marktkonzept, das direkt an die Tradition der Geschenkboutique anschliesst oder sie gar ersetzt. Diese kleinen „Dépanneurs“ (kleine Supermärkte in Kanada) verkaufen Getränke, frisch zubereitete Sandwiches, Salate und Imbisse, die aufs Zimmer mitgenommen werden können. Die Kunden können so zu denselben Konditionen einkaufen, wie im lokalen Lebensmittelladen. Die „Société Irvine“ zum Beispiel hat ihre drei Unternehmen erfolgreich mit solchen Märkten ergänzt. Dazu gehört, mit einer Grösse 3‘000 Quadratmetern, auch derjenige des Hôtel Irvine in Kalifornien.

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Seit 2013 hat das Midtown Hilton von New York seinen Zimmerservice eingestellt, um es durch ein dem Hotel Irvine ähnlichen Konzept zu ersetzen: dem Herb N‘ Kitchen. Seitdem bieten vier Hotels der Gruppe lokale und Saisonprodukte an – hausgemachte Sandwiches, Salate, Patisserie, gesunde Imbisse usw. – zudem „Stations“, die es den Kunden erlauben ihre Mahlzeiten zu personalisieren und mit Extras wie Gemüse oder Saucen zu ergänzen. Alle Gerichte von Herb’N Kitchen sind zum Mitnehmen oder für die Lieferung aufs Zimmer verpackt.

Die Hyatt-Kette hat ebenfalls in verschiedenen ihrer Hotels im Stadtzentrum von Chicago, von Minneapolis und Atlanta das Marktkonzept eingeführt und es werden unter anderem Somoothies, Patisserie, Sandwiches und Suppen für Kunden, die unterwegs sind, angeboten. Die Moxy Hotels der Mariott Gruppe verfügen über ein 24 Stunden geöffnetes Café mit Take-Out Produkten. In Montreal verfügt das Reine-Élisabeth über einen marché urbain, einem einzigartigen Konzept in Montreal, der lokale Produkte anbietet. Geöffnet für alle, sowohl für Kunden als auch für Einheimische, ist dieser Markt daran zu einem Begegnungsort zwischen foodies (Feinschmeckern) und Produzenten zu werden.

Die Boutique Hotels der Kette Affina Hotels, mit Niederlassungen in New York, sind eine Partnerschaft mit FreshDirect eingegangen, einem Lebensmittel Lieferservice, der zum Ziel hat, seinen Kunden Mahlzeiten mit frischen Produkten zu beliefern, die in der Kitchenette des Zimmers selbst zubereitet werden können. Walt Disney World Resort benützt für seine Etablissements in Orlando den Service von GardenGrocer.com.

Die Residence Inn Hotels von Marriott schlagen für Ihre Kunden Gratislieferungen vom Lebensmittelhändler vor, während alle Howewood Suites der Gruppe Hilton einen Gratislieferservice für Lebensmittel anbieten. Die Kunden können ihre Listen morgens den Hotelangestellten geben und finden am Abend einen gut gefüllten Kühlschrank vor. Die Kunden von Hotels.com profitieren für ihre Online-Bestellungen von Mahlzeiten, Spezialitäten und Wein bzw. Spirituosen von einer Partnerschaft mit Delivery.com, zu der 12‘000 Händlern in 38 amerikanische Städte gehören. 

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Lieferung ins Zimmer…

Mahlzeiten Lieferungen von externen Lieferanten bilden eine Alternative zum traditionellen Zimmerservice. Die Boutique Hotels Hyatt Centric, die eine Partnerschaft mit GrubHub eingegangen sind, führen derzeit ein Pilotprojekt in drei ihrer sieben Hotels durch. Um die Liste der teilnehmenden Restaurants zu erstellen, hat Hyatt Centric von seinen Angestellten, die in den Hotels arbeiten, verlangt, dass sie mindestens 8 verschiedene Restaurants persönlich empfehlen, die über GrubHub liefern. Die gewählten Menüs sind in jedem der Hotelzimmer verfügbar und die Kunden können direkt in den Restaurants bestellen, indem sie die Applikation GrubHub benützen oder eine Internetadresse, die auf dem Menü verzeichnet ist. Die Kunden können auch die Rezeption anrufen, die dann den Preis der GrubHub Bestellung der Hotelrechnung anfügt. Das Pilot-Projekt ging Mitte Juli zu Ende und es erwies sich abschliessend reif dafür, dass es in weitere Hyatt Centric Hotels oder in anderen Ketten unter der Flagge von Hyatt eingeführt werden könnte. Die Mobile Applikation von Hyatt könnte sogar ermöglichen über GrubHub zu bestellen.

Um die Bestellungen über GrubHub zu vereinfachen, bieten die Pilot Hotels ein Take-Out Menü aus ihren eigenen Restaurants an. Die Speisen werden den Kunden in einer umweltverträglichen Verpackung auf ihr Zimmer geliefert.

Andres Homepages und Mobilanwendungen erlauben eine Online-Bestellung, die man sich auf das Zimmer liefern lassen kann. Unter den Wichtigsten befinden sich Caviar und Postmate (États-Unis), DoorDash (Vereinigte Staaten und Toronto) und JustEat (15 Länder, Kanada unter anderem).

Die Giganten treten auch in Erscheinung          

Amazon hat einen Mahlzeiten-Lieferdienst in einem Dutzend amerikanischer Städte eingeführt. Die Restaurant Dienstleistungen von Amazon, die im September 2015 in Seattle initiiert wurden, werden den PrimeNow Kunden angeboten, die ihren Jahresbeitrag in der Höhe von 99 $ bereits bezahlt haben. Letztere können Mahlzeiten aus einem Pool von rund 100'000 Restaurants bestellen. Die Mahlzeiten werden innert einer Stunde gratis an den Wohnort oder ins Hotelzimmer geliefert.

UberEats, ein anderer „Globalplayer“ setzt in Austin, Chicago, Los Angeles, New York und in Europa (in Barcelona und versuchsweise auch in drei Pariser Arrondissements) seine Chauffeurs ein, um einen Mahlzeiten Lieferdienst anbieten zu können.

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Die Mahlzeiten Lieferdienste erlauben den ähnlich gesinnten Hoteliers ihren Zimmerservice zu verbessern, indem sie ein breites Sortiment kostengünstig anbieten. Was gibt es einfacheres als in der Region verfügbare Lieferdienste anzubieten und die Gäste bei ihrer Ankunft darauf hinzuweisen. Diese kleine Zusatzdienstleistung wird mit Sicherheit durch die Reisenden, die durch die täglichen Aktivitäten in Eile, unter Druck oder zu müde sind, sehr geschätzt werden.

 

Wir bedanken uns bei dem gesamten Team des touristischen Observatoriums. Sie können diesen Artikel sowie andere Themenbereiche unter veilletourisme.ca finden.

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Quellen:

Castillo, Marielle. « Hotel Brings Local Foods Directly To Your Room », psfk.com, 29 avril 2016.

Confolant, Anne. « Livraison de repas : le grand boom du click & eat », itespresso.fr, 17 décembre 2015.

Frommer, Pauline. « New Ways You Can Get Great Food to Your Hotel Room—Without Room Service », frommers.com, page consultée le 20 juillet 2016.

Harmant, Olivier. « Amazon veut sa part du gâteau dans la livraison de repas », frenchweb.fr, 7 septembre 2015.

Magaud, Christelle. « La livraison à domicile booste l'activité des restaurants », e-marketing.fr, 2 mai 2016.

Mettler, Lynn. « 5 Ways Hotels Are Courting Food Lovers », travel.usnews.com, 8 janvier 2016.

Shaal, Dennis. « Room Service Isn’t Dead, It’s Just Evolving Says Hilton CEO », skift.com, 2 juin 2015

Ting, Deanna. « Hyatt Centric Turns to GrubHub to Help Reinvent Room Service », skift.com, 20 avril 2016.

 

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