Die «Airbnb-Story» zwischen Auseinandersetzung und Versöhnung

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Die «Airbnb-Story» zwischen Auseinandersetzung und Versöhnung

Es sind nun schon bald 10 Jahre vergangen und Airbnb hat noch kein bisschen an Fahrt verloren! Mit geschätzten Umsatzzahlen von mehr als 3,5 Milliarden Dollar 2017 und einem für dieses Jahr geplanten Börsengang präsentiert sich Airbnb für 2018 in bester Verfassung.

Wie auch immer, Airbnb eckt regelmässig an. Vor allem mit den öffentlichen Institutionen, welche sich abwechslungsweise in neuen Reglementierungen überbieten, mit dem Ziel Missbräuche dieses Phänomens einzudämmen.

Das beginnt mit der Stadt Amsterdam, die kürzlich entschieden hat, die Anzahl der bewilligten Vermietungstage im nächsten Jahr von 60 auf 30 Tage zu halbieren. In Paris ist Airbnb schon seit einiger Zeit im Visier der Stadtverwaltung. Zusätzlich dazu, dass Paris auch die Vermietungstage beschränkt, verpflichtet die Stadt die Besitzer von Airbnb-Unterkünften, sich registrieren zu lassen und dabei zu präzisieren, ob es sich um eine professionelle oder nichtprofessionelle Aktivität handelt. Nur die Verstösse gegen die Reglementierung bleiben. Wenn Paris das Phänomen in Griff bekommen will, bleibt der Stadt nichts Anderes übrig als auf die Jagd nach illegalen Vermietungen zu gehen. Gemäss der Tageszeitung Le Figaro können 80 % der 54'000 gezählten Anzeigen in der französischen Metropole noch keine Registrierungsnummer präsentieren. Annähernd 20 % der Airbnb-Anzeigen in der Stadt gehören zu den «Mehrfachvermietern». Das sind Zahlen, die bei den lokalen Autoritäten zu einem vernehmbaren „Zähneknirschen“ führen.

Trotzdem will Airbnb seinen Willen zum Kooperieren beweisen. Der Dienstleister hat angekündigt, für das Jahr 2017 13,5 Millionen Euro Kurtaxen an 50 französische Städte zu überweisen. Airbnb hat ebenfalls zugestimmt, dass dies in 50 Gemeinden existierende Dispositiv zur automatischen Erhebung der Kurtaxe bis Frühjahr 2018 bei 15'000 Anbietern allgemein eingeführt werden soll. Auch in der Schweiz gehen die Verhandlungen in diese Richtung. Zug und Basel-Landschaft (ab 1. April 2018) werden die ersten beiden Kantone sein, welche die Kurtaxe via Plattform erheben. Andere Kantone wie Freiburg dürften folgen.

Die Ambitionen der Kantone sind genauso gross wie vielfältig. Sie wollen alles tun, um die amerikanische Plattform zu destabilisieren.

Gegenüber diesen Städten, die sich im Widerstand gegenüber dem amerikanischen Giganten befinden, werden die ländlichen Zonen das neue Bollwerk für Airbnb. 2016 hat die Anzahl der Airbnb Anzeigen in ländlichen Zonen in Frankreich um 88 % zugenommen. Das Potential des ländlichen Tourismus ist dem Unternehmen aus Kalifornien nicht entgangen. Dazu passt, dass die Mehrheit dieser ländlichen Gemeinden Airbnb positiv aufnehmen, weil sie in der Plattform eine Möglichkeit sehen, um ihrem Gebiet eine neue Dynamik zu verleihen.  Die Partnerschaften mit diesen Gebieten sind auf guten Wegen. Anlässlich 2017, des «Jahres der Dörfer» (Anno die Borghi), ist Airbnb mit dem Tourismusminister und der Vereinigung der italienischen Dörfer übereingekommen, rund 20 Dörfer auf der Plattform vorzustellen. Schweden seinerseits profitiert von der Bekanntheit von Airbnb, um die Besucher anzuregen sein Hinterland zu besuchen.

Airbnb vervielfachte in den vergangenen Monaten seine Partnerschaften. Die letzte Vereinbarung betrifft den Hotelverteiler SiteMinder. "Die 28'000 Kunden (Boutique-Hotels, Gästezimmer, Hotelier Gruppen) werden auf diese Weise ihren Bestand auf der Airbnb-Plattform auflisten können."

Parallel dazu verliert Airbnb seine Idee, eigene Unterkünfte zu bauen, nicht aus den Augen. Airbnb hat in dem Zusammenhang soeben ein «Fundraising» über 200 Millionen Euro beendet, was dem Giganten ermöglichen wird, 2018 vier eigene Residenzen zu bauen  (Niido powered by Aibrnb). Nach Aussagen der Plattform sollen von heute bis 2020 zweitausend Gebäude dieser Art gebaut werden.

Unter seinen anderen jüngsten Projekten kann man diejenigen der Bezahlungssysteme erwähnen, welche Airbnb so weit wie möglich vereinfachen möchte. Dabei handelt es sich um vielfältige Versuche wie geteilte Bezahlung, «Bankkarte» und um Bezahlung mit Anzahlung.

Nach der Wahl des ehemaligen CEO von American Express in die Reihen des Verwaltungsrats von Airbnb erscheinen die Absichten des Plattformbetreibers bezüglich der zukünftigen strategischen Orientierung und Entwicklung ziemlich klar zu sein.

 

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