Hotellerie stellt sich neu auf

Trends in Kürze

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Market Intelligence
Hotellerie stellt sich neu auf

In den vergangenen Jahren hat sich der Vermietungsmarkt zu einem ausgeprägten Wettbewerbsmarkt gewandelt. Die enormen Käufe und Investitionen der grossen Akteure des Online-Tourismus (Airbnb und Ähnliche, aber auch die OTAs!) haben dazu geführt, dass die Angebote neu geordnet und somit transparenter, aber auch in der Richtung erneuert wurden, dass diese Akteure mittlerweile Dienstleistungen anbieten können, die mit der Hotellerie vergleichbar sind. Unter dem Aspekt der rückläufigen Marktanteile hat sich die Hotellerie neu aufgestellt, was bedeutet, dass der Sektor daran ist, sich von den traditionellen Geschäftsmodellen zu verabschieden.

Das pricing wird flexibler. Die Hotels geben das Modell der traditionellen übernachtungsorientierten Preisgestaltung auf. Start-ups wie Dayuse oder BuyHours arbeiten mit unabhängigen Hotels oder Hotelketten zusammen, um den Kunden zu ermöglichen, ein Zimmer auf die Stunde genau zu reservieren.

Mit dem Ziel die Umsätze zu optimieren, entscheiden sich immer mehr Betriebe dafür, ihre Infrastruktur oder Dienstleistungen einer externen Kundschaft zugänglich zu machen. Auf der Plattform MinutUp oder auch Resort Pass in den Vereinigten Staaten kann jeder von den Einrichtungen der Partnerbetriebe profitieren (Frühstück, Parking, Fitnessräume, Sitzungszimmer usw.). Der Tarif wird auf die Minute genau oder stundenweise festgesetzt. In derselben Art und Weise erweitern AccorHotels mit ihrem Programm AccorLocal ihr Angebot mit Dienstleistungen aus der Umgebung. Es ist dabei möglich, im Hotel eine Flasche Wein, Gebäck zu kaufen oder sich sogar einen Korb mit seinem Bio Gemüse ins Hotel liefern zu lassen.

Andere lassen sich durch crowdfunding oder die Tendenz Pay what you want inspirieren, um den Kunden die Möglichkeit zu geben, den Preis ihres Zimmers selbst festzulegen. Das Unternehmen PrivateDeal SA begleitet die Hoteliers, welche dieses neue Modell ausprobieren möchten.

Es wird ein Abonnementssystem zur Kundenbindung eingeführt. Dies ist der Fall bei dem Hotel Km127 in der Normandie, das 6 verschiedene Abonnementsmöglichkeiten anbietet, die von 2 bis 7 Wochenendaufenthalten pro Jahr gehen und nach Neben- und Hochsaison aufgeteilt werden.

Mischformen. Die Angebotspaletten werden vielleicht nicht mehr so sehr aufgeteilt. Das «Paradies» (GR) zum Beispiel, ein Fünfsterne Hotel mit 23 Zimmern, hat ein Angebot «alles inklusive» eingeführt. Es handelt sich dabei um ein Familienangebot im Ferienclub, was in First-Class-Hotels seltener vorkommt und ganz auf eine Personalisierung des Angebots ausgerichtet ist.

Andererseits tritt eine neue Beherbergungsgeneration in Erscheinung mit einer sowohl wirtschaftlichen als auch ökonomischen Ausrichtung, welche dem «Image» entgegenwirken will, dass nachhaltig auch teuer ist. Eco Nuit, an der Spitze von zwei Betrieben in Frankreich, sieht sich als «économicologique» Hotelkette, was bedeutet, dass man sich sowohl für eine moderate Preisgestaltung einsetzt als auch um den Umweltschutz kümmert.

Ein Management ausserhalb der Norm. Die Gastfreundschaft gelangt wieder in den Mittelpunkt der Strategie. Die Moxy Hotels der amerikanischen Gruppe Marriott International beschäftigen zur Ausbildung der Mitarbeiter spezialisierte Comedians im Bereich Humor und Improvisation. Diese Strategie wird von den Hotelketten bereits angewendet, die sich heute in einem lockeren Ton über die sozialen Netzwerke an die Millenial-Kundschaft richten. In New York sollen sogar Workshops für Kunden angeboten werden, die sich in der Improvisation versuchen möchten.

Unter dem Aspekt der schwierigen Personalrekrutierung baut die Domaine Château-Bromont (Québec) durch Umbenennung der Hoteltätigkeiten ein neues Werteimage für die verschiedenen Beschäftigungen auf.

 Fet7 Domaine Chateau Bromont

Bildquelle: Netzwerk des «veille en tourisme»

 

Neue Zielgruppen. Die Hotels öffnen sich für eine externe Kundschaft, vor allem für die Anwohner des Quartiers und möchten sich dabei als Förderer von sozialen Kontakten profilieren. Eine neue Hotelier-Generation wie Mob Hotel of People ist bestrebt, lebenswerte Bereiche zu schaffen, indem Konzerte oder andere happenings organisiert werden und dies mit einer Philosophie, die häufig eher bei einer Genossenschaft als beim Unternehmertum einzuordnen ist. In der Provinz dürften die in diesem Sommer durch «Logis Hôtels» eingeführten «Auberge de Pays» den kleinen französischen Gemeinden Aufwind verschaffen.

Der Hotelsektor will sich den Millenials annähern. Neben der Kommunikation über die sozialen Netzwerke und Design Möbel arbeiten diese Betriebe auch an der Preispolitik. Ibis (Accor Gruppe) lanciert mit #JustForStudents das erste Angebot, das mit einem Rabatt von 30 % in allen 600 Hotels der Gruppe ausschliesslich den Studenten vorbehalten ist.

Kommerzialisierung der Aktivitäten. Um sich den Kundenerwartungen anpassen zu können, engagieren sich verschiedene Hotelketten in der Kommerzialisierung von touristischen Aktivitäten. Dies ist der Fall bei den Mercure Hotels, die sich in einer Partnerschaft mit dem Start-up Cariboo befinden, der es ermöglicht, geführte Besichtigungen mit den Bewohnern zu reservieren. Oder auch bei der Plattform Marriott moments, die sich durch Airbnb inspirieren liess und über 110'000 Aktivitäten anbietet. Marriott setzt den Akzent auf die Begegnungen und das Teilen der Erlebnisse, insbesondere durch Kontakte mit Persönlichkeiten (Chef, Sportler, Künstler usw.) und Mahlzeiten bei den Bewohnern. Der Hotelier verkauft in Zukunft nicht nur ein Zimmer, sondern Erlebnisse in seiner Destination.

 

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