Überlebens-Tourismus – Ein Abenteuer im Trend

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Freizeitaktivitäten
Überlebens-Tourismus – Ein Abenteuer im Trend

Eine Hütte bauen oder im Freien schlafen, die Pflanzenwelt kennenlernen, um sich zu ernähren, oder ein Feuer ohne Streichhölzer machen: Die Überlebens-Aufenthalte sind im Trend und lassen eine neue Form des Abenteuertourismus aufkommen – den Überlebenstourismus.

Das Konzept

«Koh Lanta», «A l’état sauvage» mit Mike Horn, «Wild», «The Island Celébrités» oder demnächst «Cap Horn», die TV-Unterhaltungsshows zum Thema Entdeckung und Überleben schiessen wie Pilze aus dem Boden und wecken die Neugierde einer grossen Anzahl von Fernsehzuschauern.

Für Einige bietet die Einführung in die Überlebens-Techniken die Möglichkeit, über die eigenen physischen und psychischen Grenzen hinauszugehen. Andere gehen in diesem Lernprozess weiter, um sich der Frage nach dem eigenen Lebensstil zu stellen.

Dieses Frühjahr fand in Paris mit dem «Salon du survivalisme» eine Premiere in Europa statt: Annähernd 8'000 Interessierte besuchten den Salon.

An dieser Messe wurden Fragen zur Ernährung, zum Energiemanagement, zu Outdoor-Aspekten, zu Überlebenstechniken und zur Gesundheit behandelt, was der Bewegung dieser Überlebenskünstler ein neues Gesicht verleiht, das sich unter dem Begriff «Neosurvivalisme» moderater und weniger angstorientiert präsentiert. Vielen Teilnehmern geht es dabei lediglich darum, ihre Abhängigkeit von dem aktuellen Konsumsystem abzubauen. Sie wollen sich um ihre echten Bedürfnisse kümmern und sich auf eine respektvolle Landwirtschaft und die ursprünglichen Naturzyklen zurückbesinnen (z. B. Permakultur, Biodynamik).

Andere wollen nicht so weit gehen, sondern ganz einfach zu einer minimalistischeren Lebensweise finden. Die angestrebte Naturverbundenheit und die Wiederaufnahme von Methoden unserer Vorfahren erlauben ihnen eine Rückkehr zu den Ursprüngen.

Einführung in die Überlebens-Techniken

Auf der Suche nach neuen Erlebnissen zögern viele Interessierte freiwillig nicht, in ein Ausbildungs-Camp einzutreten oder sich auf eine Expedition zu begeben. Während mehrerer Tage müssen die Abenteurer mit einer minimalen Ausrüstung und manchmal sogar ohne jegliches Hilfsmaterial lernen, sich um ihre Ernährung zu kümmern: Wasser zu destillieren, Feuer ohne Streichhölzer zu machen, eine Hütte zu bauen, sich an den Sternen zu orientieren, lernen zu fischen, Werkzeuge selber herzustellen usw.

Wild

Während dieser Erfahrungen sind die Teilnehmer auch auf der Suche nach einem menschlichen Abenteuer. Schwierige Situationen ermöglichen die Entstehung von Solidarität und Teamgeist.

 

Tourismussektor offen für diese Tendenz

  • Pädagogische und Incentive Tage

Obwohl der Überlebens-Tourismus an Bedeutung zunimmt, ist diese Nischenaktivität noch relativ neu. Am Häufigsten werden diese Angebote mit einem breiter angelegten Freizeit- und Outdoor-Angebot kombiniert.

In den Vogesen bietet die Commanderie de menemont «Überlebens-Abenteuer» Kurse an, die einen halben Tag oder mehrere Tage dauern können. Die Aktivitäten sind Kindern ab 7 Jahren, aber auch ganzen Unternehmen zugänglich. Die pädagogische Dimension ist dabei sehr ausgeprägt.

Aventure Gruyère in der Schweiz bietet ähnliche Aktivitäten an. Die Einführung erfolgt während zwei Tagen. Auch Schulen haben Zugang zu dem Angebot.

Parallel dazu treten spezialisierte Agenturen mit einem diversifizierten Angebot auf dem Markt in Erscheinung. Dies ist der Fall bei Survivor Attitude, wo thematische Überlebens-Camps organisiert werden: In Frankreich in den Alpen und auch im Ausland finden zu den Themen Kälte, Jäger und Sammler, Wüste, in der Familie, in der städtischen Umgebung Camps statt.  

Stage De Survie 

Quelle: stage-de-survie-nature.com

 

  • Transformationsreise

Um den grossen Nervenkitzel zu erleben, zögern die Reisenden nicht, mehrere tausend Kilometer zu reisen, um sich in lebensfeindlichen Gebieten zu isolieren. Der Tour Operator Terres Infinies stellt Überlebens- und Abenteuer-Aufenthalte an der Seidenstrasse in Thailand, in Guyana oder auch in Grönland zusammen. Diese Expeditionen sind sowohl für Anfänger als auch für Sportler zugänglich. Der Preis für einen 13-tägigen «all-inklusiv» Aufenthalt liegt bei ungefähr 2'300 Euro.

Diese Aktivitäten werden durch Spezialisten, die in Überlebens-Technik ausgebildet sind, begleitet. Es gibt aber auch einige, die noch weiter gehen wollen und das Abenteuer ganz allein wagen.

 

Zu Beginn dieses Jahres wurde mit dem Start-up Unternehmen Explora Project eine Reise- und Expeditions-Agentur mit Angeboten ohne Führer gegründet – die «Self Guided Extrem Expeditions» genannt werden. Die Agentur bietet «Überlebens-Wochenenden» in den Alpen an, wo sich der Teilnehmer alleine befindet und weder über ein Zelt, noch über Nahrung oder einen Schlafsack verfügt. Die Agentur selektioniert ihre Kunden und bildet sie manchmal während mehrerer Monate aus und begleitet sie dann auf Distanz während ihrer Expeditionen, die weltweit stattfinden können.

Ende vergangenen Jahres haben sich zwei Franzosen entschlossen, das Konzept der Fernsehsendung „Koh Lanta“ wieder aufzugreifen, um ein neues Ferienkonzept zu lancieren: The Island Challenge. Die Idee: 7 Tage auf einer Insel in Kambodscha mit 10 anderen Teilnehmern verbringen. Einzig mit einer Machete ausgerüstet müssen die Kandidaten in der Folge Wasser finden und Feuer machen, um auf der Insel überleben zu können. Die Kandidaten begegnen sich wie in der Fernsehsendung bei sportlichen Prüfungen, um sich für einen Finalplatz zu qualifizieren und um eine Prämie von 3'000 Euro kämpfen zu können. Eine medizinische Equipe befindet sich Vorort, um einen guten Ablauf des Spiels zu gewährleisten. Die Teilnehmer müssen sich über eine gute Gesundheit ausweisen und den Teilnehmer-Beitrag von 1'500 Euro bezahlen.

Youtube

 

Der Überlebens-Tourismus gehört zu einer breit angelegten Tendenz mit einem transformativen Ansatz, wo sich der Teilnehmer während der Reise auf der Suche nach einem Sinn befindet. Manchmal stellen diese Erlebnisse die bisherige Lebensweise auf den Kopf und werden zu einer wahren Offenbarung. Ein Teilnehmer vertraute der Tribune de Genève an, wie sehr der Überlebens-Tourismus sein Leben verändert hat.

Quellen:

« Le tourisme de "survie", des vacances pour repousser ses limites », Veille Info Tourisme, 25. September 2018

France Culture, « Le survivalisme se modernise-t-il ? », 23. März 2018

Yasmine Mousset. « Tourisme de survie. Un Normand lance un Koh Lanta sans caméra », West- Frankreich, 8. September 2017

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