Der Stellenwert des immateriellen Kulturerbes im Tourismus

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Der Stellenwert des immateriellen Kulturerbes im Tourismus

Zahlreiche europäische Regionen investieren in die Werterhaltung ihrer Traditionen. Dieses Streben nach regionaler Identität dokumentiert ein lokales Bedürfnis nach Anerkennung und Sichtbarkeit. Einige Akteure gehen noch einen Schritt weiter, indem sie ihr Bewerbungsdossier für eine Eintragung in das immaterielle Kulturerbe bei der UNESCO deponieren. Eine 2012 veröffentlichte Studie der Welttourismusorganisation untersucht die Zusammenhänge zwischen immateriellem Kulturerbe und dem Tourismus. Sie zeigt auch interessante Praxisbeispiele auf.

Die Konvention zum immateriellen Kulturerbe der UNESCO trat 2003 in Kraft und setzt sich für den Schutz und die Verbreitung dieses immateriellen Kulturerbes ein. Rituale, Spiele, Kunsthandwerk, Gastronomie, Szenenkunst und Festivals sind charakteristische «Kulturgüter» des immateriellen Kulturerbes. Die 160 Länder, welche die Konvention unterschrieben haben, engagieren sich für die Realisierung eines nationalen Inventars, um es dann vor den UNESCO Instanzen mit dem Ziel zu verteidigen, zu einer eventuellen Eintragung auf den Listen des immateriellen Kulturerbes der Menschheit zu gelangen.

Tourismus und immaterielles Kulturerbe

Der Kulturtourismus ist ein Sektor, der sich weltweit in vollem Aufschwung befindet. Die «multisensoriellen Reisen» sind im Trend. Erfahrungen im Kontakt mit Kulturen zu machen, die sich von den eigenen unterscheiden, gehören zu den ausgeprägten Reisemotivationen. Dieser Zusammenhang ist dabei hilfreich bei der Entwicklung von touristischen Angeboten auf der Basis der Listen des immateriellen Kulturerbes. Man kann sich also gut vorstellen, wie begehrt ein Eintrag in die offiziellen Listen der UNESCO ist. Ein solcher Eintrag garantiert eine weltweite Sichtbarkeit der lokalen Traditionen, motiviert aber auch die Gesamtheit der internationalen Gemeinschaft für den Schutz der kulturellen Diversität.

Apropos Wallis

Im Wallis sind immaterielle kulturelle Schätze beheimatet, die es wert sind, erhalten und registriert zu werden. Im September 2010 hat das Bundesamt für Kultur in Zusammenarbeit mit den kantonalen Kulturbüros ein Projekt zur Inventarisierung des immateriellen Kulturguts lanciert. Tatsächlich ist die vorangehende Registrierung eines Kulturguts im nationalen Inventar in jedem Fall eine Voraussetzung für eine spätere Eintragung in die internationalen Listen der UNESCO.

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Quelle: Wikipedia. ©ChristofBerger

 

Beteiligung und Sichtbarkeit

Die Einheimischen sind die besten Botschafter der Kultur. Wer ist besser geeignet, um den Besuchern die lebendigen Traditionen der Destination zugänglich zu machen? In Frankreich spricht man sogar von «ville participatives» (das ist der Fall in Lyon, Lilles und Nantes), um die städtischen Destinationen zu charakterisieren, wo die Bewohner die Touristen bei ihren Besichtigungen begleiten. Auch die Schweiz engagiert sich in dem Bereich. Die «aktuelle Liste der lebendigen Traditionen in der Schweiz» ist online verfügbar. Das Inventar liefert Informationen zu 199 immateriellen Kulturgütern und zwar in einem Format, das für jedermann zugänglich ist. Die Texte werden durch zahlreiche Bilder und audiovisuelle Dokumente ergänzt.

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Zibelemärit. ©Bern Tourismus

Leitfaden für bewährte Praktiken

In dem aktuellen europäischen Jahr des kulturellen Erbes ist die Vereinigung der Schweizer Museen Partner bei dem europäischen Projekt mit dem Titel «Intangible Cultural Heritage and Museum Project ». Zusammen mit Frankreich, Italien, Belgien und den Niederlanden möchte die Schweiz bewährte Verfahren zur Verbesserung des immateriellen und materiellen Erbes in ländlichen und städtischen Gebieten austauschen. Denjenigen, die es in Betracht ziehen, sich bei der touristischen Aufwertung des immateriellen Kulturerbes einzusetzen, muss dringend die Lektüre eines Führers empfohlen werden, der von dem «conseil québécois du patrimoine vivant » für die Gemeinden geschrieben wurde.

Referenzen

 

UNWTO. Study on Tourism and Intangible Cultural Heritage, Madrid, 2012, 131 pages.

Conseil québécois du patrimoine vivant. « Le patrimoine immatériel, pour la vitalité culturelle locale. Vers une action municipale profitable », juin 2018, 20 pages.

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