Umweltverantwortlichkeit bei Festivals und Museen

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Nachhaltiger Tourismus
Umweltverantwortlichkeit bei Festivals und Museen
Nachhaltige Festivals und junge Generationen

In Frankreich werden die Herausforderungen des künstlerischen Fortschritts an Festivals allmählich von denen der ökologischen Auswirkungen überholt. «Heute sehen wir immer mehr Manager für nachhaltige Entwicklung in den Teams, während wir damals den Praktikanten die Probleme lösen liessen», berichtete in der Zeitung Libération der Verantwortliche für nachhaltige Entwicklung und Qualität des Festivals Cabaret Vert in den Ardennen. Es ist jedoch nicht einfach, sich in all diesen Initiativen zur Umweltverantwortlichkeit zurechtzufinden. Verwechslungen zwischen Sauberkeit, Abfallsortierung und Auswirkungen auf die Kohlenstoffemissionen kommen häufig vor.

Das Festival Cabaret Vert: nachhaltig und umweltverträglich (auf FR)

 

 

Um nachhaltig zu sein, reicht es tatsächlich nicht, seinen Plastikbecher zu recyceln. Es gibt auch noch die zu Beginn dieses Jahres sehr aktuelle Diskussion zur Kohlenstoff Bilanz, die unter anderen auch junge Schweizer in Ausbildung beschäftigt, welche nach den wiederholt gescheiterten Klimakonferenzen ihren Unmut bei Strassendemonstrationen, sogenannten Klimastreiks, manifestieren. Man weiss, dass sich die Generation Z und die der Millenials für diese Herausforderung besonders sensibel zeigen. Nachhaltigkeit und vernünftiger Einsatz des Internets begründen das Konsumverhalten dieser beiden Generationen.

 

Umweltverträglichkeit und neutrale Kohlenstoffbilanz beim Schwingerfest 2019

Wenn man von Nachhaltigkeit an den Deutschschweizer Festivals spricht, ist Zurückhaltung kein Thema mehr. So setzt sich das eidgenössische Schwingerfest 2019 (es werden 300'000 Besucher erwartet), das diesen Sommer in Zug stattfindet, sehr ehrgeizige Ziele: Der ganze produzierte Abfall, inklusive Sägemehl, auf dem die Athleten kämpfen, soll wiederverwertet werden. Die Schweiz – ein sauberes Land?  Auf jeden Fall, denn das Festival plant 18 Tonnen Papier einzusparen, indem es die Menge der gedruckten Materialien einschränkt. Auch die Sponsoren engagieren sich, indem sie weniger Werbegeschenke verteilen.

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Quelle: pxhere

 

Die Veranstaltung setzt sich mittels Kompensationsmechanismen der Kohlenstoff Emissionen zudem eine neutrale Kohlenstoffbilanz als Ziel, die von der Schweizer Stiftung myclimate kontrolliert werden soll. Dabei darf auch die soziale Dimension nicht unterschätzt werden: Respekt gegenüber den Bewohnern von Zug durch einen Veranstaltungsort, der einen Kilometer von der Kleinstadt entfernt ist, Behindertenzugänglichkeit usw. Die Schweiz will hier einen erstklassigen Eindruck hinterlassen. Man muss berücksichtigen, dass die grösste Schweizer Sportveranstaltung auch über die notwendigen Mittel für ihre Ambitionen verfügt – ganz wie der Louvre in Paris, welcher regelmässig eine Kohlenstoff Bilanz seiner Aktivitäten veröffentlicht.

Die Kohlenstoff Bilanz der Museen und ihrer Ausstellungen

Während das ökologische Bewusstsein in einer zunehmenden Anzahl von Sektoren wächst, ist die kulturelle Welt noch weit davon entfernt, grün zu werden. Gemäss der Zeitung Le Temps steht in den Museen zwischen Verkehr, Abfall und nicht konformen Gebäuden die Frage nach der ökologischen Rolle des Museums als CO2-Emittent leider immer noch nicht wirklich auf der Tagesordnung. In Kunstkreisen scheint es gemäss der Zeitung Le Monde schwierig zu sein, selbst die Konzepte der Wechselausstellungen mit dem Begriff der Nachhaltigkeit in Einklang zu bringen, woher auch der wiederholte Vorwurf des „Greenwashing“ kommt.

Die derzeit sehr beliebte Gegenwartskunst ist dafür ein bezeichnendes Beispiel. Die Werke befinden sich, ähnlich den Rockstars, auf einer eigentlichen Weltreise. Der Bewusstseinsrückstand ist hier «kolossal», sagt Alice Audouin, Gründerin von Art of Change 21, einer Vereinigung, die seit 2014 an COP Climat Veranstaltungen aktiv ist, und hält fest, dass sich die Museen zu den ökologischen Fragen noch immer in Schweigen hüllen würden.

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Quelle Art of Change 21

 

Es existiert übrigens im Zusammenhang mit der Klimaerwärmung keine genaue Studie zur globalen Herausforderung an die Kunstmärkte. Wann wird auch hier ein Minimum an ethischem Gewissen entwickelt werden, wagt man sich zu fragen? Dabei überrascht der grosse Abstand zu anderen Kreativindustrien, von der Mode über Luxusgüter bis hin zu den Informationstechnologien, die gemäss der Zeitung Le Temps ihre ökologischen Auswirkungen erkannt haben und nach Lösungen suchen, um sie zu minimieren.

Museen, die traditionell das Recht beanspruchen, gesellschaftliche Fragen zu stellen, sind in Bezug auf ihre ökologische Verantwortung noch nicht präsent. «Was das Verhältnis von Kunst und Ökologie betrifft, so werden inskünftig die Klimakonferenzen vor den Messen, aber leider ohne die grossen Museen die einflussreichen klimabewussten Institutionen sein», wird in dem Artikel der Zeitung Le Temps festgehalten.

 

Öko-Verantwortlichkeit: Die Haltung von zwei Naturhistorischen Museen in der Romandie

« Wir recyceln soweit möglich die Elemente alter Ausstellungen. Das Holz aus einheimischer Produktion wird beispielsweise in der nachfolgenden Ausstellung wiederverwendet», erklärt Nicolas Kramar, Direktor des Naturmuseums in Sitten. «In der aktuellen Ausstellung mit dem Titel Pôle, Feu la Glace des Naturhistorischen Museums von Neuchâtel werden die Ausstellungselemente der vorangehenden Ausstellung in dem Saal mit der Bezeichnung Capharnaüm recycelt und die szenografischen Prinzipien des Recyclings anlässlich einer begleiteten Besichtigung erläutert», bestätigt Direktor Ludovic Maggioni. «Aber inwieweit ist es wirklich sinnvoll, diese Praktiken deutlicher zu kommunizieren?»  

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Betreffend die Kohlenstoffbilanz «sind Mittel und Kompetenzen notwendig, über die ein Museum unserer Grösse nicht verfügt. Und was kann ein derartiger Ansatz schliesslich unseren Besuchern bringen?» Die Mitarbeiter des Naturhistorischen Museums sind tatsächlich ganz besonders auf Fragen der Nachhaltigkeit sensibilisiert. «Um diese Grundsätze umsetzen zu können, wären jedoch Investitionen in die Ausbildung erforderlich». Ludovic Maggioni weist zudem darauf hin, dass «die Berechnung der Kohlenstoffbilanz für die Sammlungen der Naturgeschichte bestimmt schwieriger ist als für die Kunstwerke auf Weltreise

 

Titelbild: Quelle: Art of Change 21

 

Referenzen

Klimaneutrales Schwing- und Älplerfest in Zug, htr.ch, 21.01.2019

Jill Gasparina. Le lourd bilan carbone de l’art contemporain, Le Temps, 6.01.2019

Festivals : « Avant, on demandait juste au stagiaire de faire le tri », Libération, 2.01.2019

Le milieu de l’art en quête d’écoresponsabilité, Le Monde, 23.01.2019

Millennials tourism trends – internet and sustainability, Tourism review news. 21.01.2019

 

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