Kreative Künstler in den Berggebieten

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Die Kunst investiert weiterhin in den öffentlichen Raum von Stadt und Land, insbesondere in jene Gebiete, die von Fachleuten im Gegensatz zu den städtischen Zentren als "peripher" bezeichnet werden. Das betrifft ländliche, gebirgige oder sogenannte "natürliche" Räume.

Tatsächlich wird die künstlerische Kreativität heute als wirksames Mittel zur Stärkung der touristischen Attraktivität von Gebieten wahrgenommen, das heisst sie wird unter anderem als Instrument der territorialen Entwicklung und Förderung eingesetzt. Für politische Amtsträger oder zahlreiche Akteure der Kunstszene scheint das Engagement schon selbstverständlich zu sein , einem Gebiet durch künstlerisches Schaffen eine neue Dynamik zu verleihen. Künstlerresidenzen, Festivals für zeitgenössische Kunst, street art oder darstellende Kunst sowie Kulturprojekte häufen sich im Hinblick auf die anstehenden Sommerferien. Tourobs hat sich entschieden, einige erfrischende Initiativen in einer Reihe von zwei Sommerblogs zu präsentieren.

Am Beispiel des «Festival Origen»: Ein vergessenes Dorf zu neuem Leben erweckt

"Die Welt ist eine Bühne", sagte Shakespeare, aber das festival Origen benötigt weder eine Bühne noch ein Theater, berichtete die Zeitung journal 24 heures. Jedes Jahr findet dieses Spektakel direkt in Riom, einem Bergdorf im Kanton Graubünden statt. Die Zuschauer strömen herein. Die barocke Kirche und die mittelalterliche Festung haben frischen Wind bekommen.

Im Jahr 2010 liess Giovanni Netzer, Gründer des Festival Origen, ein Theater am Julierpass aufbauen. Diese architektonische Meisterleistung aus Holz auf 2284 Metern in den hochalpinen Bergen besteht aus einem 30 Meter hohen Turm von Babel!

1 Tour Origen

Hier können Sie ein Video der Baustelle vom Turm des Origen Festivals sehen. Dauer: 57 Sekunden

 

Abgesehen vom spektakulären Aspekt dieser Installation wird das künstlerische Schaffen nicht überstrapaziert. Für Giovanni Netzer stehen grosse Opern-, Theater- und Tanzgruppen ständig unter dem Druck, ihre Räume zu füllen und zu wiederholen, was funktioniert. Sie ermöglichen den kreativ Schaffenden keinen uneingeschränkten Spielraum mehr. "Unterschiedliche Umgebungen provozieren andere künstlerische Formate", sagt Giovanni Netzer. «Dies ist die Antwort der Alpen auf den Kolonialismus der Grossstädte. Es braucht Mut, in einer so aussergewöhnlichen Situation kreativ zu arbeiten, sich von dem Ort inspirieren zu lassen. Auf der anderen Seite lässt es einem die Freiheit, mit einer kleinen Institution unbehelligt in den Bergen zu spielen.»

Dem seit 2006 aktiven Festival-Origen ist es gelungen, eine ländliche Region in ein kulturelles Zentrum im Kanton Graubünden zu verwandeln und gleichzeitig die darstellenden Künste wie Theater, Oper und Musik zu fördern. "Innert 13 Jahren wurden 8 bis 9 Millionen Franken für den Bau von permanenten oder vorübergehenden Strukturen aufgewendet, die von lokalen Unternehmen gebaut wurden", erklärt ihr Direktor Giovanni Netzer, der aus dem Ort stammt und die Seele dieses aussergewöhnlichen Festivals ist.

 2 Festival Origen

Quelle: Festival Origen

 

Im Laufe der Jahre ist die Entwicklung dieser Region sogar zum zentralen Thema des Festivals geworden, denn man muss über den Empfang der Besucher, die Unterbringung, die Verpflegung, den Transport und die Beteiligung der Bewohner nachdenken.  Zudem hat sich das Dorf Riom als Mittelpunkt dieses Kulturzentrums in diesem Jahr für den Wettbewerb um das "schönste Dorf der Schweiz" mit dem Credo "Kampf gegen die ländliche Wüstenbildung" beworben. Dies zeigt den Stolz seiner Bewohner, die als Sprachenminderheit in der Schweiz auch romanische Aufführungen geniessen können, d. h. von einer Sprachkultur, die in dieser Region der Bündner Alpen noch lebendig ist.

Mobilisierung neuer Zielgruppen in Naturräumen durch sportliche und kulturelle Aktivitäten

Laut dem Projekt Interreg Alcotra Corpo links cluster, das sich auf Kulturprojekte in den italienischen und französischen Alpen (Piemont, Savoyen) konzentriert hat, ist eine bessere Verteilung des Angebots im gesamten Gebiet eine der grössten Herausforderungen eines gut durchdachten Kulturangebots. Die Kombination von kulturellen Aktivitäten und Outdoor-Tourismus (Naturtourismus, Sportaktivitäten) ist für die Partner dieses Projekts naheliegend, da die Aktivitäten in den Bergen bisher fast ausschliesslich unter dem Gesichtspunkt des Sports betrachtet wurden.

Um ein neues Publikum zu mobilisieren, experimentieren und produzieren die Schöpfer mit künstlerischen Produktionen, welche von einer Kultur inspiriert sind, die sowohl die Bewohner der Berge als auch die Touristen anspricht und orientieren sich am Beispiel der Choreographie in grosser Höhe, die vom Künstler des Aostatals Marco Chenevier vorgeschlagen wurde. Hier treffen sich Künstler und Sportler, die körperbetonte Aktivitäten (Tanz, Zirkus etc.) im gemeinsamen Raum der alpinen Berge praktizieren.

 4 Artiste Marco Chenevier

Der Künstler Marco Chenevier in Aktion. Quelle: Corpo links cluster

 

In einem ganz anderen Kontext bietet Sancy Sports Nature im GPS vorab aufgezeichnete Touren mit elektrisch unterstützten Fahrrädern an, um seine Kunden zu den Werken des Festivals für zeitgenössische Kunst Horizons-Art Nature in Sancy (Massif du Sancy, Auvergne) zu führen.

Das Festival befindet sich im «Parc Naturel des Volcans d’Auvergne» und hat zum Ziel, Touristen an bemerkenswerte Naturschönheiten heranzuführen. Jährlich werden 159.000 Euro investiert, damit etwa zehn Künstlerinnen und Künstler Werke schaffen können, die speziell von der Umwelt inspiriert sind. Das ist für dieses Festival für zeitgenössische Kunst seit 12 Jahren ein erfolgreiches Unterfangen, welches im vergangenen Jahr 220.000 Besucher anzuziehen vermochte!

 3 Sancy Sports Nature

Quelle: Projet d'innovation en matière d'offre culturelle et de développement des publics, au service de l’attractivité, présentation des travaux de recherche, 23 mai 2019, Interreg Alcotra Corpo links cluster 2014 -2020

 

 5 Horizons Art Nature Sancy

Quelle : Horizons-Arts nature en Sancy (France, Massif du Sancy) Auvergne

 

Literaturhinweise

Chenal Matthieu. Le festival Origen transforme une région rurale en pôle culturel, 24 heures, 9 juillet 2017. Télécharger.

Corpo links cluster. Projet d'innovation en matière d'offre culturelle et de développement des publics, au service de l’attractivité, présentation des travaux de recherche, 23 mai 2019, Interreg Alcotra Corpo links cluster 2014 -2020

Titelfoto © Culture Valais PHOTO-GENIC.CH

 

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