Solidarität als Anti-Virus für die Krise

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Seit der vergangenen Woche wurde die Schweiz von einer erschütternden Realität erfasst: Ein Schock, der in das Privatleben eindringt und uns grosse Sorgen um unsere Lieben und all jene bereitet, die gesundheitlich besonders zerbrechlich sind. Wie ein geopolitischer Tsunami bricht diese Pandemie in schwindelerregender Schnelligkeit über die Menschheit herein und lässt die Globalisierung wie ein Kartenhaus zusammenfallen. Und doch ist dabei die einfühlsame Seite der menschlichen Natur wichtiger geworden. Man nimmt Anteil und zeigt sich am Schicksal der Anderen nicht mehr gleichgültig, nur um die Intrigen der Industrie zu diskutieren.

Wenn man sich die Anzahl der Solidaritätsinitiativen ansieht, die spontan ins Leben gerufen wurden, kann man erkennen, wie sehr wir in der Lage sind, sich an das anzupassen, was die Not erfordert, um menschlicher zu werden.

Im Bereich der Informatik und der Telekommunikation gibt es zahlreiche Unternehmen, die ihre Unterstützung anderen KMUs kostenlos zur Verfügung stellen. Es werden Online-Plattformen geschaffen, um die verfügbaren Dienstleistungen zu koordinieren und der Bevölkerung anzubieten, wie zum Beispiel suisseresponsable.ch, das durch die Bündelung der Kräfte zweier Walliser Unternehmen entstanden ist. Das Adressverzeichnis Covid19 listet Unternehmen, Firmen, Institutionen und Selbstständige auf, die trotz der Pandemie noch tätig sind. Einige Mobilfunkbetreiber zögern keineswegs, die Abonnements ihrer Kunden ohne jegliche Entschädigung zu optimieren, damit sie die aktuell besten Technologien nutzen können, die für die Telearbeit und die Vernetzung unerlässlich sind.

Im Finanzsektor bieten einige Spezialisten spontan ihre Fähigkeiten an, um ein Dossier für finanzielle Unterstützung zusammenzustellen. Auf der Seite der Banken ist die Lockerung der Kriterien im aktuellen Kontext alltäglich, insbesondere bei der Aussetzung der Amortisation von Krediten für KMUs.

Im Bereich der Logistik und des Transports gibt es zahlreiche Plattformen, die Freiwillige rekrutieren, um eine kostenlose Lieferung an den Wohnort zu ermöglichen.

Andere Initiativen sind spontan und natürlich entstanden, um ein Projekt zu entwickeln, das allen Kleinunternehmen und Selbstständigen ermöglicht, den Resonanzboden einer Gemeinschaft zu nutzen, um weiter arbeiten zu können, um sich bekannt zu machen und um die Möglichkeit zu haben, Unterstützung von der öffentlichen Hand zu erhalten, wie beispielsweise bei Qoqa. Oder auch bei Innovaud, das am 23. März 2020 ein spezielles Webinar zu Covid19 vorgeschlagen hat, um Unternehmern wirksame Mittel zur Bewältigung dieser Krise in die Hand zu geben.

Auch im Ausland ist man nicht untätig: Die polnischen Behörden haben beschlossen, geschmuggelte Beschlagnahmungen zu nutzen, um Krankenhäusern zu helfen. Dabei wird nicht weniger als eine halbe Million Liter von geschmuggeltem Wodka als Desinfektionsmittel zur Bekämpfung des Coronavirus verwendet! Während in Frankreich Skigebiete stillstehen, mobilisieren sich die Ski-Patrouillen, die Erste-Hilfe-Kräfte und die Saisonarbeiter, um ihre Dienste Pflegekräften und Unternehmen anzubieten, die von einer so heftigen und noch nie dagewesenen Situation überfordert sind. Das Kollektiv Hack la crise organisierte am vergangenen Wochenende sogar einen «Hackathon», um Technologien zu entwickeln, die das tägliche Leben von Ärzten, KMUs und Lehrern erleichtern sollen. In den Vereinigten Staaten verbindet sich das Virtuelle mit der Realität: Medizinische Fernsehserien wie Grey's Anatomy verteilen ihre Maskenbestände an Krankenhäuser.

Was soll man von Telearbeit halten? Der Wirtschaftswissenschaftler Nicolas Bouzou erinnert daran, dass die Unternehmen sich schon lange mit Autonomievisionen berauschen. In Wirklichkeit bleiben sie jedoch einer Ideologie der Kontrolle und Überwachung verhaftet. Dank des Coronavirus könnte der Begriff des Arbeitsplatzes definitiv seine Relevanz verlieren: «Mitarbeiter und Unternehmen erkennen, dass sie aus der Ferne mehr Dinge tun können, als sie sich vorstellen. Sie sehen auch, dass die Telearbeit in einer Krisensituation das Unternehmen nicht uneinig macht, ganz im Gegenteil».

Letztendlich könnte man die Coronavirus-Krise philosophisch betrachten: Sie ermöglicht jedem die Wahl, sich für das halbleere oder halbvolle Glas zu entscheiden. Bei einer optimistischen Perspektive hat das Coronavirus auch seine guten Seiten: Es schliesst gesellschaftliche Risse, erlaubt die Neufassung von Regeln. Die laufenden Initiativen zur Gegensteuerung und der sich herausbildende Geist der Solidarität werden es zweifellos ermöglichen, dies zu erreichen und ein neues Gleichgewicht zwischen den beteiligten Kräften herzustellen. Hat nicht Henry Ford, der 1929 ebenfalls eine Wirtschaftskrise erlebte, gesagt: «Gemeinsam sind wir stärker»? Ja, wir werden gemeinsam Erfolg haben und das auch mit eingeschränkten Möglichkeiten!

Foto ©Pixabay.jpg