Unterhaltung in den Bergstationen?

Spass ohne Stress

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Freizeitaktivitäten

Im Dezember 2019 stellte der «Mountain Cluster» seine erste Ausgabe des "Cahier des tendances montagnes" vor. Der Journalist Raphaël Sandraz führte eine Reihe von Interviews mit Akteuren, die in der Entwicklung des Bergtourismus tätig sind.

Die Aussagen der Akteure dieser Sparte wurden in sieben Kapiteln zusammengefasst, welche den sieben inskünftigen Herausforderungen entsprechen: Spielerische Aktivitäten, Nachhaltigkeit, Interaktivität, Sicherheit, Beratung, Zugänglichkeit und Leistung. Dieser Ansatz soll zukunftsweisend sein und hat zum Ziel, «die Vorgehensweisen unter dem Aspekt einer realistischen Zukunftsvision darzustellen», liefert aber keine fertigen Antworten, sondern geht eher Fragen nach. Die Vorgehensweise ist – in einer Welt, wo man sich gerne auf Gewissheit verlässt – ungewöhnlich. Tourobs empfiehlt ausdrücklich die Lektüre dieser ersten Ausgabe der "Cahiers des tendances montagnes" und bietet als Anreiz eine kurze Zusammenfassung der Ausgabe 6 an, die sich mit der "spielerischen Ausrichtung" in Ski- und Berggebieten befasst.

Skifahren oder sich vergnügen?

Die Frage, ob mit den ständigen Anstrengungen, die Skigebiete mit  abwechslungsreichen und amüsanten Etappen in Form von Abenteuerparcours oder Wanderparks auszustatten, der Verlust des einfachen Vergnügens, über eine verschneite Piste zu gleiten, kompensiert werden kann, stellt sich Alexandre Maulin, Präsident der französischen Skigebiete.

Willy Fux, Direktor der LMH Consulting, nimmt eine klare Haltung ein: «Nicht alle Skifahrer haben die gleiche Freude am konzentrierten und engagierten Skifahren. Es ist nötig, andere Wege zu finden. Man muss die Skifahrer motivieren und ihnen helfen, auf andere Weise Emotionen zu erzeugen. Sie müssen ohne besondere Anstrengungen unterhalten werden. Verspieltheit kann Teil einer Antwort sein».

Dabei lassen die zunehmenden Bemühungen um den Komfort, um die immer schnellere und effizientere Ausrüstung, um die Standardisierung der Bergwelt sowie um die Erleichterung des Zugangs für eine möglichst grosse Zahl von Kunden langfristig das Phänomen des Überdrusses befürchten. Eric Bouchet, Generaldirektor des Office de tourisme des 2 Alpes, fragt sich, ob es nicht besser wäre, abwechslungsreichere Streckenprofile, schmale Korridore, kurvenreiche Strecken und zusätzliche Spielzonen anzustreben, um dem wachsenden Bedürfnis nach Erlebnis und Herausforderung zu entsprechen. Wegen der wachsenden Präsenz einer jüngeren Generation, die sich ökologisch verantwortungsbewusster zeigt, würde man mit der Rückführung in unberührte Naturräume eher den echten Bedürfnissen der Berggebiete gerecht werden. Zudem könnte man dadurch kommerzielle Bauten vermeiden.  Die Beliebtheit des Skitourensports scheint dies zu bestätigen.

Ganzjahres-Angebote

Verspieltheit ist aber nicht nur auf den Bereich von Skigebieten zu beschränken. In dem Bemühen um Diversifizierung bieten die Anlagen der Wintersportorte auch touristische Ganzjahres-Angebote: Die Akteure der Berggebiete müssen dabei aber auch mit einem kostspieligen Nachahmungseffekt in der Planungsdynamik rechnen: Spa in jeder Unterkunft, Zweiradzugang, Reiten, Nachtwandern, Ausflug mit Pistenfahrzeug, Schneeschuhwandern... Handelt es sich dabei um einen Wettbewerb für immer mehr? Die konsum- und produktionsorientierten Wirtschaftsmodelle scheinen die unter 25-Jährigen weniger anzusprechen. Sollte man in diesem Fall konsequenterweise nicht eine Rückkehr zu einfacheren Werten, d. h. zu einer unberührten Natur in Betracht ziehen? Könnte diese Überlegung vielleicht den Durst nach einzigartigen Erlebnissen stillen?

Diese Fragen und Beobachtungen sollten die Bergdestinationen von morgen beschäftigen:

  • Sind spielerisch orientierte Resorts echte Vergnügungsparks in den Bergen? In Wirklichkeit bergen sie das Risiko einer investitionsintensiven Hyperspezialisierung in sich und sind einem hohen Wertezerfall ausgesetzt, insbesondere in Bezug auf die Umwelt und ein Bedürfnis nach erhöhter Sicherheit, welche die Umgebung den Konsumenten auf der Suche nach Erholung selbst nicht garantieren kann.
  • Soll eine Rückkehr zu den elementaren Grundlagen des Kontemplativen erleichtert werden, indem man die Rückführung der Bergwelt in ihre ursprüngliche Nutzung akzeptiert. Dabei müsste das eventuelle Risiko einer fehlenden Erneuerung in Kauf genommen werden, falls diese überhaupt erwünscht wäre.

Wenn die beiden Modelle koexistieren sollen, müssten sie auf klar identifizierte und loyale Kunden ausgerichtet sein.

Referenzen

Cluster Montagne (2019), Cahier de tendances montagne[s] #1 Les grandes tendances du tourisme d’aujourd’hui et de demain en montagne, 50 p. http://www.cluster-montagne.com/agenda/lancement-cahier-de-tendances-montagnes-1/

Cluster Montagne (2019), Cahier de tendances montagne[s] #1 Les grandes tendances du tourisme d’aujourd’hui et de demain en montagne, enjeu 6, ludisme, 37-41

© Valais / Wallis Promotion, Thomas Andenmatten