Retrospektive Winter 2019/2020

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Am Ende dieses Winters führte Tourobs eine Umfrage unter den Walliser Tourismusanbietern durch, um den Saisonbarometer veröffentlichen zu können. Ein Teil der Antworten der Befragten basierte auf gefühlsmässigen Einschätzungen und Berufserfahrungen. Tourobs schlägt nun vor, die Ergebnisse dieser Umfrage mit den offiziell veröffentlichten Zahlen zu vergleichen.

Die Zahlen bestätigen insgesamt, dass die Wintersaison bis zum Auftreten der Pandemie im März 2020 hervorragend verlief. Sie stimmen auch mit den eher neutralen bis recht optimistischen Prognosen für diese Sommersaison überein, die von den meisten Tourismusakteuren in der Tourismusbarometer-Umfrage gemacht wurden.

Seilbahnen: Rekordsaison bis Mitte März

Die Zahlen der Skitage zeigten für den Winter 2019/20 einen Rückgang von 16.5 % im Vergleich zur ausgezeichneten Wintersaison 2018/19, aber nur einen Rückgang von 5-6 % im Vergleich zu den schlechten Wintermonaten 2016/17 und 2015/16 (Abbildung 1). Dabei fällt jedoch auf, dass die Gesamtzahl der Skitage Mitte März im Vergleich zur Saison 2018/19 um 2.4 % höher lag. Dies zeigt, dass die Saison 2019/20 ohne die erzwungene Schliessung der Seilbahnen aufgrund von Covid-19 im März und April Spitzenwerte hätte erreichen können, wie sie seit mehr als 10 Jahren nicht mehr zu beobachten waren. Kleine und mittelgrosse Ferienorte mit Skigebieten in relativ niedriger Höhe litten weniger als grosse Ferienorte. Tatsächlich ist der Rückgang der Skitage dort moderater. Er beträgt etwa 10 % im Vergleich zum letzten Jahr. Einige dieser Urlaubsorte haben im Vergleich zur schlechten Wintersaison 2016/17 sogar einen Anstieg von fast 7 % verzeichnet.

 Figure1 De 

Vergleicht man diese Zahlen mit den Eindrücken des Barometers von Mitte März (die Seilbahnbranche hatte die beste Bewertung mit einem Durchschnitt von 7,6/10), so stellt man fest, dass die Einschätzung der Seilbahnunternehmen etwas optimistischer war als das Resultat der endgültigen Zahlen. Zwei Faktoren könnten dies erklären: Erstens die Auswirkungen der ausgezeichneten Besucherzahlen im Dezember und Januar, welche die Seilbahnunternehmen Anfang März bei ihrer Bewertung der Saison noch im Auge hatten (mehr als 70 % von ihnen antworteten, dass sie besser als im Vorjahr waren). Zweitens wird kleinen und grossen Unternehmen bei der subjektiven Beurteilung der Saison das gleiche Gewicht beigemessen, während die Zahlen für die Skifahrertage stärker von den grossen Seilbahnunternehmen abhängen, da sie eine deutlich höhere Anzahl von Skifahrertagen ausmachen. Ausserdem waren die kleinen Unternehmen generell optimistischer als die grossen.

Unter den Tourismusakteuren waren die Seilbahnunternehmen auch am optimistischsten hinsichtlich der Aussichten für die Sommersaison. Tatsächlich waren 45.5 % von ihnen zuversichtlich oder sehr zuversichtlich – verglichen mit nur 9.1 %, die sich nicht zuversichtlich zeigten. Antworten auf E-Mails, die Anfang Juni an einige Seilbahnunternehmen geschickt wurden, bestätigen diesen Trend. Einige Unternehmen rechneten sogar mit einer Steigerung von 10 %, da ein grosser Teil dieser Betriebe hauptsächlich vom Schweizer Markt abhängig ist (u.a. Ausflügler).

Beherbergung: Kontrastierende Wintersaison vor allem für das Hotelgewerbe

Die Übernachtungen in Hotels und Parahotels gingen in der Wintersaison 2019/20 im Vergleich zur Wintersaison 2018/19 um 20.1 % bzw. 5.1 % zurück. Man muss jedoch beachten, dass die Wintersaison 2018/19 eine sehr gute Saison war. Dennoch ist bei einer Beschränkung der Analyse auf den Zeitraum von November bis Februar – ohne Berücksichtigung der Coronavirus-Krise, welche die Monate März und April betraf – ein Anstieg von mehr als 8 % für diese beiden Beherbergungssektoren festzustellen. Wie für die Bergbahnen, so hätte diese Wintersaison ohne die Coronavirus-Pandemie die beste seit mehr als 10 Jahren gewesen sein können.

Um die beobachteten Ergebnisse mit den Eindrücken aus der Umfrage von Tourobs zu vergleichen, ist es wichtig, jeden Monat der Saison zu analysieren, insbesondere die beiden unterschiedlichen Zeiträume November-Februar und März-April. Die beiden nachstehenden Abbildungen zeigen die tatsächlich erfassten Übernachtungen (Abbildung 2) und die geschätzten Werte der Umfrageteilnehmer (Abbildung 3). Für die Monate November bis Februar zeigt Abbildung 3 den prozentualen Saldo der Befragten, die der Meinung waren, dass die monatliche Frequentierung 2019/2020 besser war als die von 2018/19 (eine positive monatliche Differenz bedeutet, dass der betreffende Monat in der Wintersaison 2019/20 als besser empfunden wurde als der gleiche Monat 2018/19). Für März und April sind es die Prognosen der Befragten, die entweder zuversichtlich oder besorgt über die wirtschaftlichen Aussichten für die kommenden Monate waren (die Umfrage wurde Anfang März durchgeführt). Das Prinzip des Saldos der Befragten ist das gleiche wie für die Vormonate.

 Figure2 De Figure3 De

Die Zahlen zeigen, dass die tatsächlichen Übernachtungszahlen – insbesondere im Hotelsektor – im Allgemeinen das Gefühl bestätigen, welches sich aus der Tourobsumfrage ergibt. In diesem Sektor ist der Unterschied zwischen den guten Monaten (November bis Februar) und den Monaten der Pandemie ausgeprägter als bei der Parahotellerie. Die einzige bemerkenswerte Ausnahme der Übereinstimmung zwischen den Übernachtungszahlen und den Schätzungen der Fachleute zeigt sich folgendermassen: Anfang März rechneten die Anbieter im Parahotellerie-Sektor noch mit einem neutralen Monat (Saldo 0 %), während beim Parahotellerie-Panel von Tourobs ein Rückgang der Übernachtungen um 34 % festgestellt wurde.

 

Beherbergung: Ausblick auf die Sommersaison

Was die Aussichten für die Sommerferien anbelangt, so bestätigen die vorliegenden aktuellen Zahlen vorwiegend die Prognosen der Beherbergungsfachleute, wobei diejenigen des Parahotel-Sektors wieder etwas optimistischer sind als diejenigen der Hotelbranche. Anfang März rechneten die Beherbergungsanbieter daher im Durchschnitt mit einer eher unveränderten Besucherzahl für diesen Sommer, wobei ein höherer Anteil der Parahotelbetreiber (58.6 %) als der Hotelbetreiber (41.2 %) angab «eher zufrieden» zu sein. Der Stand der Übernachtungsreservierungen aus dem Parahotellerie-Panel vom 21. Juli 2020 ist sogar noch etwas ermutigender als Anfang März, insbesondere für den Juli, da er auch die tatsächlich beobachteten Übernachtungen für diesen Monat berücksichtigt. Die Zahlen im Vergleich zum Vorjahr lauten wie folgt: + 35.8 % im Juli, + 5.1 % im August, + 10.5 % im September und + 1 % im Oktober. Abschliessend lässt sich Folgendes feststellen: Erstens buchen die Kunden in diesem Jahr aufgrund der Unsicherheit wegen der Entwicklung der Coronavirus-Situation noch mehr als sonst in letzter Minute. Zweitens kann das Walliser Hotelgewerbe, das auf eine Schweizer Kundschaft zählen kann, gegenüber den Stadtkantonen profitieren. Generell dürften Destinationen mit vorwiegend schweizerischer Kundschaft gut abschneiden.

Photos

Quellen:

https://data.tourobs.ch/ Dashboard de Tourobs (Walliser Tourismus Observatorium)

https://data.tourobs.ch/Dashboard_Barometer/DashboardBarometer Walliser Tourismus Barometer der Wintersaison2019/20

https://www.rts.ch/info/11247589-la-suisse-dans-l-attente-des-decisions-du-conseil-federal-pour-assouplir-le-confinement-du-pays.html« (...) les destinations de loisirs en plein air pourraient déjà avoir quelques opportunités pour la saison d’été (…) »

https://www.rts.ch/play/tv/19h30/video/les-suisses-frequentent-en-masse-les-stations-de-montagne-pour-pallier-labsence-de-touristes-etrangers--le-valais-cartonne-?id=11492015 , 19h30, dimanche 26 juillet. Les Suisses fréquentent en masse les stations de montagne pour pallier l’absence de touristes étrangers. Le Valais cartonne.

https://www.lenouvelliste.ch/dossiers/coronavirus/articles/coronavirus-148-nouveaux-cas-en-24-heures-en-suisse-959423 « Les hôtes suisses compensent en partie ces défections, notent toutefois avec satisfaction certains acteurs de la branche. »

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